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Politik | 06.04.2017

Aus IZ14/2017, S. 21

Von Volker Thies

In diesem Artikel:

Der richtige Schraubenschlüssel für Frankfurts Wohnungsmarkt

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies
Heuer Dialog hatte erstmals eine Veranstaltung für die gesamte Stadtbürgerschaft geöffnet und erlebte eine große Resonanz.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Volker Thies

Die Wohnungsversorgung ist ein drängendes politisches Thema in Frankfurt. Beim Wohn-Dialog für die Mainmetropole kamen Branchenvertreter sowie Stadtbürgerschaft direkt ins Gespräch und Stadtrat Mike Josef erläuterte seine Wohn-Strategie.

Möglicherweise denkt der Frankfurter Stadtrat und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) manchmal an Charlie Chaplin. "Wohnungspolitik ist das Drehen an vielen kleinen Stellschrauben", sagte Josef im Rahmen des Wohn-Dialogs von Heuer Dialog (ein Tochterunternehmen der Immobilien Zeitung). Wer an einer großen Maschinerie herumschraubt, dem kann es jedoch ergehen wie einst Charlie Chaplin im Film Moderne Zeiten: Er wird mitsamt seinem Schraubenschlüssel verschluckt und ordentlich durchgemangelt. Dass die Arbeit am Wohnungsmarkt politische Blessuren mit sich bringen kann, ist Josef offenbar bewusst. "Um den Wohnungsbau voranzubringen, brauche ich Zeit, diese Zeit habe ich aber nicht", räumte er ein. Bürger, die dringend Wohnraum brauchen, könne er oftmals nur um Geduld bitten.

Dass nicht nur der Planungsdezernent sich Sorgen macht, wurde im Bürger-Dialog deutlich, zu dem Heuer erstmals nicht nur ein Fachpublikum eingeladen hatte, sondern auch die gesamte Stadtbürgerschaft. Mit 250 Gästen hatten die Veranstalter gerechnet, um die 300 kamen und viele von ihnen übten Kritik. "Es kann nicht die Lösung sein, dass die Leute in Trabantenstädte am Stadtrand gedrängt werden", bemängelte ein Teilnehmer. Eine andere Besucherin schilderte ihre eigene Situation: "Wir brauchen jetzt eine bezahlbare Wohnung für die Familie und nicht erst in zehn Jahren, wenn die Kinder fast wieder aus dem Haus sind." Mit etwas anderen Worten bestätigte während der Fachveranstaltung am folgenden Tag auch Iris Kosubek (Drees & Sommer) diese Beobachtung: "Unter den Familien findet eine enge, gut situierte Zielgruppe in Frankfurt noch Wohnungen. Für alle anderen gibt es kaum Angebote."

Ein Teilnehmer aus der Bürgerschaft forderte mehr Engagement öffentlicher Bauherren, die sich am Beispiel der Wiener Kommunalbauten orientieren könnten. Ähnlich der Einwurf eines Unternehmensvertreters: Er engagiere sich lieber in Nordrhein-Westfalen, weil dort eine bessere öffentliche Förderung geboten werde als in Hessen.

Josef betonte, dass er Marktbeeinflussung etwa durch Erhaltungs- und Milieuschutzsatzungen nicht als beste Lösungen sieht, um Mieten und Preise unter Kontrolle zu halten. Aber er lehnt auch Eingriffe im Sinn der Bauherren ab, etwa bei der Befreiung von Flächen von Gemeinschaftszwecken. Diese werde es in Zukunft seltener als bisher geben. Kritisch sieht der Dezernent den aktuellen Hochhausrahmenplan. Dieser erlaube auf zu weit verstreuten Arealen Mini-Hochhauscluster. "Und dann bekommen wir immer wieder Anfragen, ob zusätzlich noch ein kleines Hochhäuschen möglich ist", berichtete Josef. Solche Ansinnen werde er abschmettern. Von 2018 an werde der Hochhausrahmenplan insgesamt überarbeitet.

Auch bei den vielen Boardinghäusern und Mikroapartments will der Stadtrat bremsen. Denn er fürchtet, dass diese derzeit beliebten Objekte in einigen Jahren zu Problemfällen werden, falls sich die Zahl der Wochenendpendler verringern sollte. Als problematisch erweise sich auch die Nachverdichtung. "Ich habe die Widerstände unter den bereits in den Quartieren lebenden Bewohnern gegen solche Vorhaben unterschätzt", räumte Josef ein. In der Skepsis gegenüber dem Mikrowohnen wurde der Stadtrat von der Drees & Sommer-Projektpartnerin Kosubek unterstützt. Sie rate bei einer langen Anlageperspektive zu Immobilien, die in der Bewohnerstruktur stärker gemischt und fester in ein städtisches Umfeld eingebunden sind.

Letztlich wird die Stadt aus Josefs Sicht nicht umhinkommen, noch vorhandene Agrarflächen zu bebauen, auch wenn dazu Landschaftsschutzgebiete aufgehoben werden müssen. Außerdem regt er interkommunale Gewerbegebiete mit Nachbarstädten an. Dadurch könnten im Zentrum Gewerbeflächen für Wohnungen frei werden. Für mehr Kooperation sprach sich auch Ludger Stüve, der Direktor des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, aus. Das könne bis in den Vogelsberg reichen. Wenn dort Infrastruktur wegen des Bevölkerungsrückgangs zurückgebaut werde, stünden neue Naturflächen als Ausgleich für neu versiegelte Areale in Frankfurt zur Verfügung. Für das unmittelbare Umland forderte Frank Alexander, Geschäftsführer von Hermann Immobilien, dagegen einen Ausbau der Infrastruktur: "Die Notwendigkeit sehen wir daran, dass die Wohnungsnachfrage außerhalb des Umfelds der S-Bahn-Anschlüsse rapide wegbricht." Außerdem befürwortet er Druck des Landes Hessen auf Kommunen, damit diese Flächenreserven auf den Markt bringen.

Ob Neubau tatsächlich denen hilft, die dringend Wohnungen suchen, bewertete Rolf Janßen vom Deutschen Mieterbund kritisch: "In Frankfurt wird viel gebaut, aber vor allem Luxus, der für mittlere und niedrige Einkommen nicht infrage kommt." Jürgen Groß, Geschäftsführer des Projektentwicklers Groß & Partner, warb um Verständnis für die Branche: "Wir steigern das Preisniveau nicht aus bösem Willen. Wir haben keine andere Wahl angesichts höherer Grundstückspreise und Baukosten." Ein weiteres Problem nannte Ralf Werner (formart): Wegen des Baubooms und der Konjunkturprogramme des Landes Hessen seien kaum noch ausführende Firmen zu vernünftigen Konditionen zu finden.

In der Wohn-Maschine Rhein-Main schrauben also große Zahnräder die Preisspirale höher. Ob die Politik mit ihrem Schraubenschlüssel da viel ausrichten kann?

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