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Projekte | 16.03.2017

Aus IZ11/2017, S. 4

Von Jutta Ochs

In diesem Artikel:

Einzelhandel baut Wohnungen, meist nicht ganz freiwillig

Quelle: Trei Real Estate, Urheber: HHVision
Das Wohnungsbauprojekt Quartillion des Tengelmannkonzerns in Köln. Viele weitere sollen republikweit folgen.

Quelle: Trei Real Estate, Urheber: HHVision

Jetzt baut Aldi auch noch Wohnungen! Konkurrent Lidl ist ebenfalls aktiv. Und auch Norma hat sich auf dem Sektor Bau etwas Soziales vorgenommen. Das alles geschieht aber nicht immer aus freien Stücken. Bei Tengelmann ist dagegen der Wohnungsbau Strategie.

Am heutigen Donnerstag geht die Immobilientochter von Tengelmann, Trei Real Estate, mit ihrer nagelneuen Immobilienstrategie an die Öffentlichkeit. Der Tengelmannkonzern steigt, nach der Aufgabe seiner mehr als 400 Einzelhandelsfilialen, in Deutschland groß in den Wohnungsneubau ein. Wie Geschäftsführer Pepijn Morshuis vorab mitteilte, sind 300 Mio. Euro in der Projektpipeline. Das erste Projekt, das Studentenwohnheim Quartillion, ist jetzt in Köln eröffnet worden. Das sind 153 Apartments in der Größe von 18 m² bis 30 m2 für eine Warmmiete von 480 Euro bis 660 Euro. Diesem Projekt sollen noch eine Reihe von weiteren folgen, wobei man sich nicht nur auf das studentische Wohnen beschränken möchte. So hat das Unternehmen gerade den Bauantrag für zwei Areale am Prenzlauer Berg in Berlin gestellt. Dort werden 246 sowie 187 Wohnungen entstehen. "Allerdings keine Studentenwohnungen, sondern Wohnungen für jedermann. Und zwar in kleineren, rund 30 m2 großen Einheiten, sowie geräumigeren, ca. 110 m2 großen Einheiten", erläutert Morshuis. Die Miethöhe wird mit "mittlerer Preislage" angegeben. Zwei weitere Wohnungsbau-Areale hat die Tengelmanntochter zudem noch in Berlin, die gerade beplant werden. "Und wir sind weiterhin auf der Suche nach Grundstücken. Dazu sind wir unterwegs in Köln, Düsseldorf und Bonn sowie im Rhein-Main-Gebiet." Der Konzern hat aktuell ein Bestandsportfolio im Wert von 1 Mrd. Euro. 2014/ 2015 hatte sich das Unternehmen bereits von seinen Logistikimmobilien verabschiedet. Nach der Abgabe seiner Lebensmittelfilialen an Edeka und Rewe Ende des vergangenen Jahres ist Tengelmann nun auch dabei, das Handelsimmobilienportfolio zu bereinigen. Das könne durch Verkauf, Sanierung, Abriss und Neubau geschehen. Man sieht aber auch Möglichkeiten, durch Verdichtung auf den Gewerbearealen Wohnungsbau zu betreiben, sagt Morshuis. Neben dem Wohnungsbau in Deutschland verfolgt Tengelmann auch die Strategie, Fachmarktzentren in Polen zu errichten.

Tengelmann ist aber nicht der einzige der Branche, der aktuell Wohnungen baut. Bei Aldi kann man nicht nur preiswert Lebensmittel kaufen, wöchentlich neue Schnäppchen aus der weiten Konsumwelt jagen sowie Reisen planen und Mobilfunkverträge abschließen. Aldi macht auch in Wohnungen. In Hamburg plant aktuell der Discounter im Stadtteil Rissen eine neue Filiale mit rund 1.000 m2 Fläche. Damit Aldi für den Neubau die Genehmigung bekommt, gab es allerdings eine Auflage. Auf Wunsch der Stadt müssen über dem Einkaufsmarkt Wohnungen entstehen.

Die Kommunen benötigen dringend Grundstücke für den Wohnungsbau und verlangen immer häufiger einen Wohnanteil beim Gewerbeneubau - vor allem, wenn so viel Fläche für einen Flachbau verbraucht werden muss. Ob die Aldi-Gruppe nun offensiv ins Wohnungsgeschäft einsteigen wird? Es klingt zunächst einmal nicht so. Die Unternehmenskommunikation von Aldi Nord sagt: "Aldi Nord fokussiert sich seit jeher auf den Verkauf von Lebensmitteln an attraktiven, verbrauchernahen Standorten. Das Bauvorhaben in Hamburg-Rissen ist eine Ausnahme und Kompromisslösung, die wir für den Standort in Betracht gezogen haben. Die Kombination von Aldi-Märkten mit Wohnraum stellt grundsätzlich nicht die Regel in Bezug auf unsere Expansionsstrategie dar."

Dabei ist das Wohnungsbauvorhaben von Aldi in Hamburg gar nicht das erste Projekt dieser Art. Bereits im November 2016 wurde bekannt, dass Aldi im Stadtteil Lokstedt die alte Filiale abreißen und neu bauen will - dabei sollen 18 Wohnungen entstehen. Aldi ist zudem bereits Vermieter in der Hansestadt. Insgesamt 48 Wohnungen an zwei Standorten in der Bahrenfelder Straße 188 und in der Holstenstraße 156 betreibt der Discounter. Wer das erfahren will, hat es aber nicht gerade einfach. Aldi ist sehr zurückhaltend mit Informationen zum Wohnen.

Auch Aldi Süd ist bereits auf dem Wohnungsmarkt aktiv. Statt nur noch Filialen auf den Arealen zu planen, entwickelt der Discounter Komplettlösungen, bei denen auch Wohnraum vorgesehen wird. Aldi Süd sagt: "Wir haben seit längerer Zeit in einigen Regionalgesellschaften auch Filialen, die in Kombination mit Wohnraum eröffnet haben. Dies hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: So werden Wohnungen in Kombination mit einer Filiale errichtet, um zum Beispiel den jeweiligen Standort weiterzuentwickeln. Teilweise liegen auch städtische Anforderungen vor, die eine solche Kombination erforderlich machen. Wir realisieren solche Projekte sowohl in Ballungsgebieten als auch in normalgroßen Städten, so zum Beispiel in Mannheim und Tübingen." Darüber hinaus möchte man keine weiteren Informationen zur Verfügung stellen.

In Tübingen etwa wollte Aldi Süd eigentlich nur eine neue Filiale bauen, doch die Stadtverwaltung wünschte sich Wohnungsbau. Inzwischen ist das Projekt TÜ3 mit 43 Wohnungen fertiggestellt. Sieben Wohnungstypen zwischen 27 m² und 53 m2, voll eingerichtet, werden für 500 Euro bis 900 Euro im Monat vermietet. Im Preis inbegriffen sind Hausmeisterservice, Wlan und Kabel-TV. Schon Monate vor der Fertigstellung sollen sämtliche Wohnungen vermietet gewesen sein, hieß es in den lokalen Medien. Und auf seiner Immobilienseite im Internet bietet Aldi nicht nur die "ebenerdige Verkaufsfläche im gepflegten Geschäftshaus" oder die "attraktiven Büro/Praxisräume" sondern auch die "schöne 3-Zimmer-Wohnung mit Einbauküche" an.

Die fränkische Einzelhandelskette Norma hat ebenfalls schon bewiesen, dass sie mehr kann, als rechteckige Flachbauten auf die grüne Wiese zu setzen. In der Nürnberger Willstraße wurde eine Kinderkrippe mit Außenspielbereich auf dem Marktdach errichtet. Es ist das bislang einzige Projekt. Angesichts der Wünsche der Städte nach Wohn- und Sozialräumen wie Kitas sind allerdings weitere nicht auszuschließen.

Der Discounter-Konkurrent Lidl hat neben dem Kauf und Verkauf eigener Filialgrundstücke auch schon Ausflüge in den Wohnungsbau gemacht. 2011 baute das Unternehmen am Berliner Prenzlauer Berg 30 Wohnungen über der eigenen Filiale. Am bayerischen Tegernsee ist Lidl ebenfalls Vermieter. Dort musste sich der Discounter allerdings verpflichten, vor allem sehr preisgünstig zu bauen. 17 Wohnungen für 6,50 Euro/m2 Kaltmiete sind entstanden, berichteten lokale Medien. Aktuell bietet Lidl beispielsweise im Internet zwei Baugrundstücke "zum Realisieren Ihrer Wohnträume" in Sachsen an.

Was die meist nicht ganz freiwilligen Wohnungsbau-Aktivitäten von Aldi, Lidl und Co. anbelangt, sagt Pepjin Morshuis von Tengelmann: "Wir wären der ideale Partner für diese Vorhaben im Wohnungsbau. Denn wir verstehen den Einzelhandel und seine Bedürfnisse - und den Wohnungsbau."

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