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Politik | 09.02.2017

Aus IZ06/2017, S. 7

Von Christine Rose

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Bundesrat, Bundesregierung Deutschland, Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Bundesarbeitsgemeinschaft der Immobilienwirtschaft Deutschland (BID), Institut für Gebäude- und Solartechnik, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
  • Personen:
    Andreas Ibel, Andreas Mattner, Christian Bruch, Norbert Fisch, Axel Gedaschko
  • Immobilienart:
    Wohnen, Büro, Gewerbe allgemein

Verbände wehren sich gegen Niedrigstenergiestandard KfW 55

Quelle: Pixabay, Urheber: ulleo
Trübe Aussichten sagen die Verbände für Immobilienbauer voraus, wenn der KfW-Standard für alle Neubauten Pflicht wird.

Quelle: Pixabay, Urheber: ulleo

Jetzt hat das Kind also einen Namen: Der nach EU-Gebäuderichtlinie für Neubauten geforderte Niedrigstenergiestandard soll hierzulande dem KfW-Effizienzhausstandard 55 entsprechen. Das besagt der Entwurf für ein Gebäudeenergiegesetz zumindest mit Blick auf neue Nichtwohngebäude der öffentlichen Hand. Verbände stemmen sich nun dagegen, dass der Standard für alle Neubauten festgelegt wird.

Eigentlich sollte die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) mit der Definition des Niedrigstenergiestandards bis Ende 2016 vorliegen. Daraus ist nichts geworden. Was es nun gibt, ist ein Ende Januar von Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium vorgelegter Entwurf mit dem sperrigen Titel "Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden".

Das Werk, kurz: Gebäudeenergiegesetz (GEG), soll zum einen die beiden nicht vollständig aufeinander abgestimmten Gesetze Energieeinsparungsgesetz (mit Energieeinsparverordnung) und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammenführen. Zum anderen wird darin der Niedrigstenergiestandard für neue Nichtwohngebäude der öffentlichen Hand mit dem KfW-Effizienzstandard 55 definiert. Letzteres deshalb, weil laut EU-Gebäuderichtlinie neue Behördenbauten als Vorbilder dienen und daher schon ab dem Jahr 2019 den Niedrigstenergiestandard erfüllen sollen. Für alle anderen Neubauten gilt der erst ab 2021.

Die Bundesregierung hat daher die geplante Verschärfung für privat errichtete Wohn- und Gewerbeimmobilien auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Sehr wahrscheinlich, dass sich die Parteien im Wahlkampf nicht den Vorwurf, Wohnraum zu verteuern, um die Ohren hauen lassen wollen. Und gut, sagen Verbände wie die sechs in der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) zusammengeschlossenen, ließe sich doch in der gewonnenen Zeit noch über Art und Ausmaß der Verschärfung diskutieren.

Welche Auswirkungen die Verschärfung der EnEV 2014 auf KfW-55-Standard hätte, ist von den BID-Mitgliedern GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und Zentraler Immobilien Aussschuss (ZIA) zu erfahren. Laut GdW werde etwa bei Mehrfamilienhäusern die Latte für den zulässigen Primärenergiebedarf von jährlich etwa 40 bis 45 kWh/m2 auf 30 bis 35 kWh/m2 nach oben gelegt. Was höhere Anforderungen in Heller und Pfennig bedeuten, geht aus einer vom Verband beauftragten Wirtschaftlichkeitsberechnung hervor. Demnach könnten die Wohnkosten für Mieter durch eine Verschärfung auf KfW-55-Standard - ausgehend allerdings von dem bis zum 1. Januar 2016 gültigen Neubaustandard der EnEV 2014 - um monatlich etwa 1Euro/m2 steigen. "Die Wohnkosten werden dann voraussichtlich auch nach 20 Jahren noch über denen eines nach EnEV 2014 errichteten Gebäudes liegen", meint GdW-Präsident Axel Gedaschko. Ziel müsse jedoch eine hohe Klimaschutzwirkung bei möglichst niedrigen Bau- und Bewirtschaftungskosten sein, erklärt er mit Blick auf den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Das sei mit dem GEG-Entwurf, würde er auf alle Neubauten übertragen, nicht hinzubekommen.

Der 55er-Standard bedeute gegenüber der geltenden EnEV eine Verschärfung der Anforderungen an den Primärenergiebedarf um etwa 20%, schreibt der ZIA in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf und stellt fest: "Der KfW-55-Standard überschreitet die Grenzen des technisch Möglichen bei bestimmten Nichtwohngebäuden. Die Auflage ist also nicht nur unverhältnismäßig, sondern schlichtweg in der Praxis nicht darstellbar." Die Aussage wird auf der Basis eines Wirtschaftlichkeitsgutachtens getroffen, das der ZIA bei Norbert Fisch vom Institut für Gebäude- und Solartechnik der Technischen Universität Braunschweig in Auftrag gegeben und im Herbst 2016 vorgestellt hat. "Bei Büros ist der Effizienzhaus-55-Standard die absolute technische Obergrenze. Er ist also möglich, bringt aber wenig Vorteile für den Klimaschutz", fasst ZIA-Präsident Andreas Mattner zusammen.

Mit Blick auf den Klimaschutz sei eine Verschärfung für Gewerbebauten ohnehin fragwürdig, erklärt Mattner. "Es sind kaum zusätzliche Einsparungen von CO2-Emissionen zu erzielen. Denn infolge des verbesserten Wärmeschutzes steigt der Energieverbrauch durch den stärkeren Einsatz technischer Gebäudeausrüstung wie Lüftungsanlagen."

Fragwürdig scheint den Verbänden auch die Kostenschätzung im GEG-Entwurf. Demnach ist die Verschärfung auf KfW-55-Standard für öffentliche Nichtwohnbauten mit einer Erhöhung der Baukosten um durchschnittlich etwa 2,5% verbunden. GdW-Präsident Gedaschko hält die Zahl für "unrealistisch und zu niedrig".

Gemeinden sollen im Übrigen auf eine Ausnahmeregelung zurückgreifen dürfen. Sie müssen den Niedrigstenergiestandard nicht erfüllen, wenn sie zu Baubeginn überschuldet sind, sich durchs Einhalten der neuen Vorgabe überschulden würden oder - und jetzt wird es schwammig - die Mehrkosten "auch unter Berücksichtigung der Vorbildfunktion nicht unerheblich sind".

Christian Bruch, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), fordert denn auch für private Bauherren Ausnahmeregelungen für den Fall, dass Investitionen aufgrund der Mehrkosten sonst gänzlich unterbleiben würden.

Grundsätzlich halten es die BID-Verbände für sinnvoller, die geltende EnEV als Standard für Niedrigstenergiegebäude zu definieren und an ihr Verbesserungen vorzunehmen - beispielsweise indem Fotovoltaikstrom bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs stärker berücksichtigt wird. Ihre Hoffnung liegt auch auf dem Bundesrat bzw. den Ländern, die bereits deutlich gemacht haben sollen, dass sie diesen Standard für überzogen halten. "Wir sehen daher noch nicht, dass sicher ist, dass der Effizienzhaus-55-Standard wirklich kommt", sagt BID-Vorsitzender und BFW-Präsident Andreas Ibel.

Das Bundeskabinett befasst sich voraussichtlich am 15. Februar mit dem Gesetzentwurf. Das Gesetz soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten, muss zuvor aber durch Bundestag und Bundesrat.

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