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Märkte | 09.02.2017

Aus IZ06/2017, S. 2

Von Daniel Fuhrhop

In diesem Artikel:
  • Organisationen:
    Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie
  • Personen:
    Daniel Fuhrhop
  • Immobilienart:
    Wohnen

Neubau entwertet Sanierungen

Bessere Energieausweise und eine höhere Sanierungsquote sind zwar sinnvoll. Aber ihr Effekt wird zunichte gemacht, wenn wir neu bauen wie bisher, meint Daniel Fuhrhop, Autor des Buches "Verbietet das Bauen!"

Quelle: Daniel Fuhrhop
Daniel Fuhrhop.

Quelle: Daniel Fuhrhop

Es ist ernüchternd, wie unsicher die Messwerte für Energieausweise und die Zahlen zur Sanierungsquote sind (siehe "Die Chaos-Quote" und "Zweifelhafter Energieausweis", IZ 5/2017). Noch viel ernüchternder ist diese Diskussion, weil selbst optimale Sanierungen und gesteigerte Energieeffizienz noch nicht garantieren, dass der Energieverbrauch aller Immobilien unterm Strich sinkt. Das zeigen Berechnungen des Wuppertal Instituts zum Wärmebedarf von Wohnungen: Zwar wird immer effizienter geheizt, aber gleichzeitig stieg die Wohnfläche pro Person so stark, dass der Raumwärmebedarf insgesamt kaum sank.

Selbst wenn auch diese Zahlen unsicher sein sollten, zeigen sie eine absurde Gleichzeitigkeit von klimafreundlicher und klimaschädlicher Politik. Einerseits wird eine höhere Sanierungsquote gefordert und die Standards der Energieeffizienz von Neubauten werden immer höher gesetzt. Andererseits fordern Verbände und Politiker 400.000 neue Wohnungen pro Jahr und rufen dazu nach mehr Bauland. Der massive Neubau aber schadet auf zwei Weisen dem Klimaschutz. Erstens verbraucht die Erstellung der neuen Häuser viel Energie, was offenbar in den Berechnungen des Bauministeriums zu Treibhausgasen nicht auftaucht. Auch bei der Betrachtung pro Immobilie steht meist die Heiz- und Betriebsenergie im Blickpunkt, aber die Erstellungsenergie gehört ebenfalls in eine ganzheitliche Bilanz. In der Schweiz ist eine solche Bilanz bereits üblich.

Zweitens erhöht sich durch jeden Neubau die zukünftig zu heizende Fläche. Die Energiewende wird darum nur gelingen, wenn neben der Effizienz auch die Suffizienz beachtet wird, also die Frage, wie wir Fläche besser nutzen. Wir brauchen Förderprogramme und Forschung für alle Werkzeuge, die Neubau überflüssig machen, zum Beispiel für Umzugsförderung, das Schaffen von Einliegerwohnungen, für Leerstandskataster und -management.

Ein Beispiel zeigt das Potenzial dieser Werkzeuge, die Förderung von Untermiete durch "Wohnen für Hilfe", bei dem Studierende bei älteren Menschen einziehen und ihnen im Alltag helfen, dafür aber weniger Miete zahlen. Es gibt "Wohnen für Hilfe" seit Jahrzehnten und derzeit an 36 Hochschulen - aber es gibt allein 400 Hochschulen in Deutschland! An jeder könnte "Wohnen für Hilfe" gestartet werden, und darüber hinaus für Auszubildende und alle jungen Menschen. Wenn wir mit solchen Mitteln die Fläche suffizienter nutzen, lohnt es sich erst richtig, Energie effizienter zu nutzen.

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