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Unternehmen | 26.01.2017

Aus IZ04/2017, S. 15

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

Der Roboter schrumpft die Flächen

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Digitale Helfer wie Pepper (rechts im Vordergrund) oder der Starship-Lieferroboter (links) sollen bei Media-Saturn bald eine größere Rolle spielen.

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Online zu bestellen ist längst Standard. Wer Unterhaltungselektronik liebt, kann sich bei Media-Saturn künftig aber auch von Robotern beraten lassen oder sie mit der Warenauslieferung betrauen. Virtuelle Realität soll zudem dafür sorgen, dass man Produkte begutachten kann, die sich gar nicht im Laden befinden. Entsprechend dürfte die pro Markt benötigte Fläche weiter schrumpfen.

Pepper spricht zwar nur Englisch, aber sie hat eine sehr angenehme Stimme. Sie reagiert auf Blickkontakt und kann einem die Hand geben. Auf dem Capital Markets Day im Dezember 2016, auf dem Media-Saturn seine Zukunft präsentierte, hat sie sich mit den Anwesenden unter anderem über die Wichtigkeit des Smartphones unterhalten. Sie könnte aber auch über ganz andere Themen plaudern. Doch dazu müsste man sie entsprechend programmieren, denn Pepper ist ein Roboter, entwickelt von der japanischen Firma SoftBank. Bald schon könnte Pepper auch hierzulande Kunden beim Einkauf beraten. Bei Tests in den USA erhöhte sich durch ihr Zutun die Kundenfrequenz im Einzelhandel um bis zu 70%, schreibt das Technologieportal Recode.

Roboter wie Pepper sollen nicht in erster Linie Mitarbeiter ersetzen, dazu sind sie noch zu wenig ausgereift. Vor allem sind sie dazu gedacht, eine Maxime mit Leben erfüllen, die von den Handelsexperten landauf, landab gepredigt wird: Im Zeitalter des Onlinehandels muss Shoppen zum Erlebnis werden, um die Kunden weiterhin in die Läden zu locken. Gerade großflächige Elektronikmärkte stehen in enormer Konkurrenz zum E-Commerce, auch wenn ECE-Chef Alexander Otto im Interview mit dem Fachmagazin TextilWirtschaft der Branche unlängst eine Stabilisierung attestiert hat.

Media-Saturn setzt jedenfalls auf Pepper und ihre Roboterkollegen, erläutert Martin Wild, der für die Digitalstrategie des Unternehmens verantwortlich ist. "Peppers Kollege Paul ist heute leider nicht da. Er wird in Ingolstadt für die Kundenberatung gebraucht." In Ingolstadt befindet sich neben der Zentrale der Holding auch ein großer Saturn-Markt, in dem das Unternehmen neue Technologien ausprobiert. Paul ist eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie dessen Ausgründung Unity Robotics. Er kann Kunden zum Beispiel zum richtigen Regal begleiten, wenn kein menschlicher Mitarbeiter verfügbar ist. Und Smalltalk beherrscht er ebenfalls.

Neben einem Mehr an Erlebnis will Media-Saturn seine Läden aber auch noch besser mit der Onlinewelt verzahnen. Dabei könnte das Thema virtuelle Realität eine große Rolle spielen. So lassen sich per Datenbrille und Datenhandschuh künftig auch Produkte dreidimensional betrachten und testen, die gar nicht im Laden vorhanden sind. Damit ließe sich auch die vor Ort benötigte Fläche reduzieren. Das passt zu Media-Saturns Strategie, verstärkt auf kleine Ladenformate in stark frequentierten Lagen zu setzen, und zwar auch in Städten mit einer Bevölkerungsanzahl, bei der ein typischer Media Markt mit 2.000 m² bis 3.000 m² Fläche schlicht überdimensioniert wäre.

Mittlerweile hat das Unternehmen erfolgreich mit Ladenflächen experimentiert, die von wenigen 100 m² bis unter 2.000 m² reichen. Zwar ist die Anzahl der von Media-Saturn betriebenen Elektronikmärkte in den beiden vergangenen Geschäftsjahren von 986 auf 1.023 weiter gestiegen, doch die Durchschnittsfläche sank von 3.131 m² auf 2.909 m². Der Trend dürfte sich fortsetzen. Denn je mehr Kunden zuvor online georderte Produkte im Laden abholen, desto genauer lässt sich die Menge der bevorrateten Ware steuern. Das spart Fläche.

Als Zusatzservice können sich Media-Markt-Kunden in Düsseldorf bestellte Produkte seit Herbst 2016 auch von einem Lieferroboter der estnischen Firma Starship bringen lassen. Das dreiachsige Gefährt kann Waren von bis zu 10 kg Gewicht über eine Reichweite von 5 km transportieren. Das Konzept hat noch seine Tücken, so sind Gehsteigkanten zwar kein Hindernis für den Starship-Lieferroboter, Treppen und geschlossene Türen jedoch schon. Sieht man von diesen Restriktionen ab, lässt sich die Lieferzeit mit dem Gefährt auf bis zu 30 Minuten nach Bestellung verkürzen. Innerhalb eines Zeitfensters von vier Tagen kann der Kunde den Lieferzeitpunkt auf zwei Stunden genau festlegen. Eine echte Kampfansage an Konkurrenten wie amazon.

Im Gegenzug dürfte die von Media-Saturn benötigte Logistikfläche eher steigen. Mit Einrichtung des Onlinehandels hat das Unternehmen erstmals ein Zentrallager aufgebaut, traditionell wurde die Ware auf Ebene der weitgehend autonom entscheidenden, regionalen Marktleiter gelagert. "Computergestützte Sortimentspolitik ist wesentlich effizienter, als es der Mensch je sein könnte", sagt Wolfgang Kirsch, Chef von Media-Saturn Deutschland und lobt das "neue Gleichgewicht von zentral zu dezentral".

Onlinehandel, Lieferroboter, Minifilialen: Das alles mögen Antworten auf die Anforderungen der Moderne sein. Sie beißen sich jedoch mit dem ursprünglich dezentral angelegten Konzept von Media Markt, wie es Mitbegründer Erich Kellerhals jahrelang erfolgreich vorantrieb. Das setzte auf eine starke Eigenverantwortlichkeit der regionalen Marktleiter, die traditionell mit 10% Kapital an ihrer Filiale beteiligt sind. Für die starke Expansion des Filialgeschäfts in den 80er und 90er Jahren war das die geeignete Strategie. Doch mittlerweile setzt Media-Saturn-Haupteigner Metro Group andere Prioritäten. Statt vor allem das Flächenwachstum voranzutreiben, sollen zum Beispiel die vorhandenen Kundendaten besser ausgewertet werden, um mehr Umsatz zu generieren.

Kellerhals, der immer noch knapp 22% an der Media-Saturn-Holding hält und weitgehende Vetorechte besitzt, hat in der Vergangenheit des Öfteren seinen Unmut über die strategischen Entscheidungen der Konzernführung von Metro kundgetan. Vergangenes Jahr unterlag er vor dem BGH, nachdem er auf mehr Mitsprache bei der Eröffnung neuer Standorte gepocht hatte. Zuletzt versuchte der als Mediator eingeschaltete Investor Clemens Vedder die Wogen zu glätten, laut Lebensmittel Zeitung aber bisher ohne entscheidenden Durchbruch. Selbst wenn am 6. Februar die Metro-Hauptversammlung der Abspaltung des Groß- und Lebensmitteleinzelhandels zustimmt, sind nicht alle Probleme vom Tisch. Denn geleitet wird die dann eigenständige Elektronikmarktsparte unter dem Namen Ceconomy weiterhin von den Führungskräften, die Minderheitsgesellschafter Kellerhals auch bisher schon kritisierte. Das Ringen um das künftige Profil von Media-Saturn dürfte also weitergehen.

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