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Marketing | 12.01.2017

Aus IZ01-02/2017, S. 17

Von Volker Thies

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Wikipedia
  • Organisationen:
    Wikimedia Deutschland e.V., OpenStreetMap
  • Personen:
    John Weizmann, Pascal Neis

Der Schwarm arbeitet mit

Ein Teil der kreativen Marketingarbeit lässt sich an Web-Communities auslagern. Vladgrin/istockphoto.com
Ein Teil der kreativen Marketingarbeit lässt sich an Web-Communities auslagern.

Vladgrin/istockphoto.com

Schwarmintelligenz-Plattformen wie Wikipedia und Open Streetmap bieten Inhalte, die auch Immobilienunternehmen für ihr Marketing nutzen können. Allerdings gibt es einige Regeln für die korrekte Verwendung.

Karten, erläuternde Texte und Fotos zur Illustration: In der Immobilienbranche gibt es an vielen Stellen Bedarf an Medienmaterial. Selbst schreiben und fotografieren ist aufwendig, das Einkaufen von Inhalten teuer und das einfache Herunterladen aus dem Internet kann schnell zu juristischen Konsequenzen wegen Urheberrechtsverletzung führen. Einen Ausweg bieten die großen Gemeinschaftsprojekte im Internet wie Wikipedia und das etwas weniger bekannte Open Streetmap.

"Was viele Gesprächspartner verwundert: Ja, man darf Inhalte aus Wikiprojekten kommerziell nutzen. Das ist ausdrücklich vorgesehen", sagt John Weizmann, beim deutschen Wikipedia-Trägerverein Wikimedia Referent für Politik und Recht. "Allerdings muss man dabei einige Regeln beachten." Die wichtigste von ihnen: Wie bei allen anderen Inhalten, muss der Urheber genannt werden.

Das ist im Fall von Wikipedia gar nicht so einfach. Denn die Artikel sind Gemeinschaftsprodukte vieler Schreiber. Gerade die Ortsbeschreibungen größerer Städte, die für die Immobilienbranche interessant sind, können viele hunderte Autoren haben. Das Aufführen aller Beteiligter ist in der Praxis nicht machbar, wenn ein Makler beispielsweise einen Absatz aus einem Stadtartikel in ein Exposé einbaut. "Deshalb reicht ein Link auf die Versionsgeschichte des jeweiligen Artikels aus", sagt Weizmann. Die Versionsgeschichte findet man im Design eines Karteikartenreiters am oberen Rand des Wikipedia-Beitrags. Dort sind alle bisherigen Änderungen seit dem ersten Anlegen des Artikels mit ihren jeweiligen Urhebern dokumentiert.

Der Link auf diese Versionsgeschichten-Seite muss zwingend angegeben werden, wenn man Textmaterial aus der Wikipedia verwendet. "Das gilt auch, wenn man einen solchen Text auf ein externes Portal stellt, beispielsweise eine Immobilienplattform", betont Weizmann. In diesem Fall oder wenn das Endprodukt ausgedruckt wird, bietet sich die Form einer Fußnote an.

Wer solche Inhalte auf seiner Web-seite verwendet, kann auch eine eigene Unterseite erstellen, auf der er alle relevanten Versionsgeschichten-Links sammelt. In jedem Fall muss es für Leser einfach sein, diese Angaben zu finden. Die Sammelseite sollte also von anderen Stellen der Webseite über Verweise und Menüpunkte erreichbar sein, und längere aus der Wikipedia übernommene Passagen sollten im Text als Zitate kenntlich gemacht werden, beispielsweise durch eine besondere Formatierung.

Neben Links auf die Versionsgeschichten gehört zu einem einwandfreien Wikipedia-Zitat auch zwingend die Nennung der Lizenz, unter der die Inhalte stehen. Dies ist die Creative Commons Lizenz "CC-BY-SA 3.0" und für ältere Inhalte die GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Ein korrekter Lizenzsatz sieht also folgendermaßen aus: "Teile dieser Webseite basieren auf Artikeln aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia sind Listen der Autoren verfügbar." Zusätzlich muss dieser Satz Links auf die Lizenztexte enthalten. Darauf folgen Links auf die betroffenen Versionsgeschichten. Wenn es um einen einzigen Wikipedia-Artikel geht, kann dieser Link direkt in den Lizenzsatz eingebaut werden. Unter dem Suchbegriff "Wikipedia:Weiternutzung" finden sich innerhalb der Online-Enzyklopädie detaillierte Hinweise zu diesem Thema. "Außerdem schadet es nichts, sich den Lizenztext einmal durchgelesen zu haben", rät Weizmann.

Wikipedia enthält aber nicht nur Texte, sondern auch Fotos. Auf dem Schwesterprojekt Wikipedia Commons sind häufig sogar noch viel mehr Abbildungen gesammelt als die tatsächlich im Artikel eingebundenen. Diese zusätzlichen Fotos können über den Commons-Link aufgerufen werden, der am Ende vieler Wikipedia-Artikel steht. Diese Bilder können interessant sein, um beispielsweise selbst erstellte Inhalte mit Fotos von Sehenswürdigkeiten aus der Umgebung zu illustrieren.

Eine Gefahr besteht jedoch bei Fotos: "Die Creative-Commons-Lizenz enthält keine Rechtsgarantie", sagt Wikimedia-Sprecher Weizmann. Hat also derjenige, der das Foto hochgeladen hat, Rechte Dritter verletzt, beispielsweise, indem er fremdes Fotomaterial verwendet oder Menschen ohne deren Einverständnis in Großaufnahme zeigt, dann kann das auch für Verwender dieser Fotos rechtliche Folgen haben. "Viele Projektbeteiligten prüfen den Bilderbestand immer wieder auf solche Probleme, aber wir können nicht alles sofort herausfiltern", erklärt Weizmann. Bilder, die bereits längere Zeit unumstritten Teil eines Artikels sind, könnten aber im Regelfall konfliktfrei verwendet werden. Auch über die Dauer der Einbindung gibt die Versionsgeschichte Auskunft.

Fotos haben gegenüber Wikipedia-Texten den Vorteil, dass es normalerweise nur einen Urheber gibt. Der Nachteil ist, dass im Verlauf der Geschichte der Wikipedia Bilder unter verschiedenen Lizenzen eingestellt worden sind. Hier muss jeweils der passende Lizenztext gefunden werden, und es ist sogar denkbar, dass der Fotograf die kommerzielle Nutzung untersagt oder andere Einschränkungen erlassen hat. "Grundsätzlich ist aber auf der zugehörigen Beschreibungsseite gut dokumentiert, was mit den einzelnen Fotos möglich ist. Man muss nur hinschauen", sagt Weizmann.

Er empfiehlt den Lizenzhinweisgenerator, den der deutschsprachige Wikimedia-Verein 2016 unter www.lizenzhinweisgenerator.de ins Leben gerufen hat. Wenn man dort die Webadresse eines Commons-Bildes eingibt, erstellt der Generator automatisch den passenden Lizenztext. Auch bei Bildern ist es wichtig, ihnen den Lizenztext klar zuzuordnen, beispielsweise indem er in der Bildunterschrift steht oder ein Link von dort zu einer Seite führt, auf der Lizenztexte gesammelt aufgelistet werden.

Open Streetmap (OSM) funktioniert ähnlich wie Wikipedia, ist aber eigenständig. Statt Artikel zu schreiben, arbeiten die Teilnehmer gemeinsam und mit Hilfe ihrer GPS-Empfänger daran, eine möglichst umfassende, genaue und vor allem frei zugängliche Weltkarte zu erstellen. Rund 100.000 Nutzer sind in Deutschland angemeldet. Täglich sind schätzungsweise 500 von ihnen aktiv. Der Detailgrad der inzwischen vorhandenen Karten schwankt je nach Anzahl und Aktivität der örtlich Beteiligten. In den meisten Städten sind einzelne Gebäude mit Hausnummern, exakten Außenmaßen und eventuellen Gewerbenutzungen verzeichnet, dazu Briefkästen, Bushaltestellen und sogar 3D-Informationen zu einigen Gebäuden. Andernorts reicht es bislang nur für Straßenverläufe, ein paar öffentliche Gebäude und die Unterscheidung zwischen Wohn- und Gewerbegebieten. "Als reine Straßenkarte sind wir in Deutschland mindestens so gut wie Google Maps", sagt Pascal Neis, der als Teil eines selbst organisierten Sprecherteams Presseanfragen beantwortet.

Auch OSM verlangt bei der Nutzung seiner Inhalte einen Lizenztext. "Aber der ist kurz und es fällt keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er ihn verwendet. Dafür bekommt man kostenloses Kartenmaterial, das sonst schwer zu beschaffen ist", sagt Neis. Das Minimum ist der Hinweis "© OpenStreetMap-Mitwirkende" unmittelbar an oder im verwendeten Datenmaterial, idealerweise ergänzt um einen Link auf den Lizenztext unter www.openstreetmap.org/copyright. Unter diesem Link oder über den Menüpunkt "Urheberrecht" rechts oben an der Kartendarstellung gibt es detaillierte Erläuterungen zu den Nutzungsbedingungen.

Über die Funktion "Teilen" rechts am Rand der Kartendarstellung lassen sich viele verschiedene Formate exportieren, darunter ein bereits fertiges Stück Html-Code, der einfach in eine Webseite oder ein Blog hineinkopiert werden kann und bereits den korrekten Hinweistext enthält. Auch Exporte als Bilddateien sind möglich. Dann muss der Urheberhinweis aber per Bildbearbeitungsprogramm oder in einer Bildunterschrift ergänzt werden.

Für technisch ambitionierte Nutzer bieten sowohl die Wiki-Projekte als auch OSM einige Möglichkeiten, die über die reine Übernahme von Inhalten hinausgehen. OSM-Daten können beispielsweise auch im Vektorformat exportiert und dann zu Karten in individuellem Design gemacht und mit eigenem Datenmaterial ergänzt werden. "Allerdings wird es dann mit der korrekten rechtlichen Behandlung kompliziert", räumt Neis ein. Er empfiehlt, sich in solchen Fällen direkt an Mitglieder der OSM-Community zu wenden und das jeweilige Anliegen individuell durchzusprechen. Wikimedia-Referent Weizmann hebt das noch junge Projekt Wikidata hervor. Dort sollen möglichst viele statistische Daten gesammelt werden, deren Auswertung eines Tages durchaus auch für die Immobilienwirtschaft interessant sein könnten.

Und nicht zuletzt verweisen die beiden Schwarmwissen-Aktivisten darauf, dass sowohl Wikimedia als auch OSM Spenden entgegennehmen, um beide Projekte voranzubringen.

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