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Märkte | 12.01.2017

Aus IZ01-02/2017, S. 11

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    Hundt Consult
  • Personen:
    Tim Gunold
  • Immobilienart:
    Gewerbe allgemein

Fahrstühle sind oft schlecht gewartet

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Auch alte Aufzüge müssen dem gesetzlich vorgeschriebenen Stand der Technik entsprechen.

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Fast ein Drittel der Aufzüge und Fahrtreppen hierzulande ist unbefriedigend gewartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Hundt Consult. Offenbar halten viele Betreiber den Zustand ihrer Anlagen für besser, als er in Wirklichkeit ist.

Etwa 725.000 Aufzüge und Fahrtreppen verrichten in Deutschland mehr oder weniger gut ihre Arbeit. Allein die Aufzüge kommen Hundt Consult zufolge auf eine jährliche Leistung von 60 Mrd. Fahrten. Im Schnitt sind die Lifte 28,4 Jahre alt. "Ältere Modelle waren noch auf 40 bis 45 Jahre ausgelegt", weiß Tim Gunold, Geschäftsführer von Hundt Consult. Seit den 1990ern sind es nur noch 20 bis 25 Jahre. Größere Modernisierungsmaßnahmen rechnen sich gegenüber einem Komplettaustausch nur selten. Für den Einbau einer neuen Anlage in einem Bestandsgebäude investieren die Eigentümer durchschnittlich 60.000 Euro netto. Dazu kommen jährliche Betriebskosten in Höhe von 5.000 Euro und interne Prozesskosten von 600 Euro.

Trotz des hohen Kostenaufwands, der im Vergleich der Gebäudekomponenten nur von der Energieversorgung getoppt wird, hapert es teils an der Qualität der Aufzugswartung. So stufen 29% der insgesamt 138 befragten Unternehmen den Erfüllungsgrad der Wartungen als bedenklich bis kritisch ein. Jeweils 21% geben das Votum befriedigend und gut ab. 29% gehen von einem sehr guten Erfüllungsgrad aus.

Pro Fahranlage kam es durchschnittlich zu 1,6 Störungen im Jahr. Das ist laut der Studie zwar ein befriedigendes Ergebnis. Viel häufiger sollten die Störungen aber auch nicht auftreten. "Bei drei Fällen pro Jahr läuten bei uns schon die Alarmglocken", sagt Gunold. Nicht jeder Wartungsfehler verursacht gleich eine höhere Störanfälligkeit. Langfristig wird sich nach Erfahrung des Beratungsunternehmens eine schlechte Wartung aber doch bemerkbar machen. Zudem bedeutet eine Störung meist, dass der Aufzug außer Betrieb ist, weil die Anlagen so konzipiert sind, dass sie sich im Falle einer Fehlfunktion abschalten - gerade bei größeren Gebäuden ein Problem. Lange Ersatzteillieferzeiten und Servicekräftemangel können die Reparatur weiter verzögern.

Große Wissensdefizite bei den Betreibern

Als "erschreckend" bewertet Hundt Consult, dass bei der Prüfung durch zugelassene Überwachungsstellen je Anlage 0,6 relevante Mängel festgestellt werden, von denen wiederum 80% als bedenklich bis kritisch einzuordnen sind. Seit der Novelle der Betriebssicherheitsverordnung im Jahr 2015 gelten erhöhte Anforderungen an Aufzugsbetreiber (siehe "Aufzugsbetreiber brauchen Notfallplan", IZ 22/16). Die Anlagen müssen dem Stand der Technik entsprechen. Dieser wird in der jeweils gültigen EU-Norm der Reihe EN 81 detailliert mit Umsetzungsfristen vorgegeben. Solange es zu keinem Unfall kommt, halten sich die Folgen eines Aufzugmangels für den Betreiber in Grenzen. "Wenn dagegen etwas passiert, fordert die Berufsgenossenschaft binnen 24 Stunden eine Auskunft und Akteneinsicht", warnt Gunold. Stellt sich dann heraus, dass der Betreiber seine Pflichten verletzt hat, muss er gegebenenfalls dafür haften.

Häufig verletzten sich Aufzugsnutzer z.B., wenn der Kabinenboden nicht bündig mit dem Fußboden des Gebäudes abschließt und sie deshalb beim Betreten der Kabine in diese stürzen. Ebenfalls kommt es vor, dass Aufzüge durch ihr Gegengewicht nach oben gezogen werden und an die Schachtdecke prallen. Den aus Film und Fernsehen bekannten Kabinenabsturz gibt es in der Realität dagegen äußerst selten.

Die Pflichten gelten auch für alte Aufzugsmodelle. Die Anlagenbetreiber können sich nicht auf einen Bestandsschutz berufen. Allerdings halten offenbar viele von ihnen ihre Fahrstühle ohnehin für modern. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass ihre Anlagen weitgehend dem Stand der Technik entsprechen. 29% sehen ihre Aufzüge als veraltet an und 5% können gar keine Wertung abgeben.

Letzteres zeigt ein weiteres Problem. Der Mehrheit der Betreiber mangelt es an Fachkompetenz zum Aufzugsthema. 90% geben offen zu, dass ihnen das entsprechende Know-how zu Aufzügen und deren Betrieb fehlt. Hinsichtlich des Servicemarkts für Aufzugsanlagen sind es sogar 94%. Ob sie ihren Aufzughersteller erneut beauftragen würden, beantwortet die Mehrheit der Unternehmen mit "weiß nicht".

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