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Unternehmen | 22.12.2016

Aus IZ51/2016, S. 9

Von Bernhard Bomke

In diesem Artikel:

Hannover Leasings neue Mutter heißt Corestate

Hannover Leasing/Fotograf: Thomas Riese
Der Asset-Manager Hannover Leasing gehört bald weniger der Helaba als vielmehr dem Immobilien-Investmentmanager Corestate Capital Holding.

Hannover Leasing/Fotograf: Thomas Riese

Der Poker um die Helaba-Tochter Hannover Leasing ist entschieden. 94,9% der Anteile an dem Asset-Manager gehen für eine, wie es heißt, sehr niedrige zweistellige Millionen-Euro-Summe an die vor zehn Jahren von Ralph Winter und Thomas Landschreiber in der Schweiz gegründete Corestate Capital.

Mit der Entscheidung für die mittlerweile offiziell von Luxemburg aus agierende Corestate gingen zuvor hoch gehandelte Käuferadressen wie die Zech Group und Patrizia Immobilien leer aus. Offenbar hatten die Verkäufer die Befürchtung, dass Hannover Leasing bei einer Veräußerung an einen der zahlreichen anderen Interessenten rasch zerschlagen würde. Im Fall von Corestate, so die Vermutung auf Seiten der bisherigen Eigentümer, werde es nicht zu einer Zerschlagung des in Pullach (bei München) ansässigen Asset-Managers kommen. Verkäufer sind neben der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba; bisheriger Anteil 49,34%) die Hessisch-Thüringische Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft (48%) und der frühere Chef von Hannover Leasing, Friedrich Wilhelm Patt (2,66%). 5,1% der Anteile verbleiben bei der Helaba. Patt, so ist seit dem frühen Herbst im Markt bekannt, agierte bei dem Verkaufsprozess an der Seite von Corestate.

Der Verkauf an den seit Oktober dieses Jahres an der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten Immobilien-Investmentmanager Corestate (Winter ist mit 66% größter Aktionär) steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Finanzaufsicht BaFin das Inhaberkontrollverfahren abschließt. Das Ergebnis erwartet Corestate im ersten Halbjahr 2017. Eine Genehmigung durch die BaFin gilt als Formsache. Beobachter haben keinen Zweifel daran, dass die Solvenz und der Businessplan des Käufers die Aufseher überzeugen werden.

Corestate, so heißt es weiter, verfolge eine klare Wachstumsstrategie. Zu der passe die Übernahme von Hannover Leasing, auch wenn dort mehr als 6 Mrd. Euro nicht in Immobilien, sondern in Beteiligungen wie Medienfonds, Flugzeugprodukten und Lebensversicherungsfonds stecken. Zu den immobilienfernen Vermögensbeständen teilte Corestate der Immobilien Zeitung mit: "Die Bestandsfonds der Gesellschaft werden verantwortungsvoll fortgeführt." Beobachter rechnen damit, dass Hannover Leasing in Zukunft neben Immobilienbeteiligungen allenfalls noch solche an Flugzeugen vermarktet.

Für das von CEO Sascha Wilhelm geführte Unternehmen Corestate bedeutet die Übernahme von Hannover Leasing eine Vervielfachung des verwalteten Vermögens. Mit den von Hannover Leasing gemanagten 13,6 Mrd. Euro (davon gut die Hälfte Immobilien) wächst die Summe der Assets under Management auf rund 16 Mrd. Euro. Wilhelm betonte in seinem offiziellen Statement zur Feier der Übernahme die Bedeutung des Geschäfts mit institutionellen Investoren. "Wir erweitern und diversifizieren das Produktangebot und verbessern unseren Zugang zu neuen institutionellen Kapitalquellen", sagte er. Vom Geschäft mit geschlossenen Publikumsfonds, mit dem Hannover Leasing seit der Gründung im Jahr 1981 groß geworden war, ist in Wilhelms Sätzen keine Rede. Hannover Leasing hatte mehr als 200 geschlossene Fonds, darunter ein Großteil mit Immobilien, mit einem Eigenkapitalvolumen von 9,9 Mrd. Euro aufgelegt. Derzeit haben die Oberbayern, bei denen Michael Ruhl und Marcus Menne die Geschäfte führen, einen geschlossenen Freiburg-Fonds für Privatanleger im Vertrieb.

Ob es unter der Ägide von Corestate noch neue Publikumsfonds mit dem Label Hannover Leasing geben wird, scheint völlig offen. Beim Käufer heißt es lediglich: "Wir schließen nicht aus, auch neue Publikums-AIF aufzulegen, doch der Schwerpunkt liegt auf den institutionellen Investoren." Der Name Hannover Leasing soll ausdrücklich erhalten bleiben. Auch am Standort Pullach wird festgehalten. Ab Anfang kommenden Jahres werden noch etwa 140 Mitarbeiter bei Hannover Leasing beschäftigt sein.

Die Helaba, die erst im September offiziell bestätigt hatte, ihre Fondstochter verkaufen zu wollen, hatte seinerzeit betont, der potenzielle Käufer solle "vor allem dem institutionellen Geschäft eine Perspektive in einer größeren Einheit" bieten. Nun äußerte sich Thomas Groß, der stellvertretende Vorsitzende des Helaba-Vorstands, so: "Wir freuen uns, dass Corestate dem Fondsgeschäft der Hannover Leasing eine neue strategische Perspektive eröffnet." Eine solche hatte die Helaba ihrer Tochter zuletzt nicht mehr aufgezeigt. Mehr als zwei Jahre war über einen Verkauf spekuliert worden. Jetzt klingt es bei der Helaba so lapidar wie bei vielen Firmen, die sich - aus welchem Grund auch immer - von Beteiligungen trennen: "Nach dem erfolgreichen Verkauf können wir uns noch stärker auf unser Kerngeschäft konzentrieren."

Dass die Helaba als Minderheitsgesellschafterin mit einem Anteil von 5,1% an Hannover Leasing beteiligt bleibt, dürfte im Wesentlichen der Möglichkeit geschuldet sein, auf diese Weise Grunderwerbsteuerzahlungen zu vermeiden. Die hätten bei einer Komplettübernahme durch Corestate je nach Quelle bei 10 Mio. bis 40 Mio. Euro gelegen. Aus dem Umfeld der an dem Deal Beteiligten verlautete ferner, die Helaba habe überproportional viele Risiken aus dem Hannover-Leasing-Portfolio übernommen. So gilt es als offenes Geheimnis, dass hohe Beträge aus missglückten Schifffondsanlagen abgeschrieben werden müssen. In alten Medienfonds schlummern obendrein Risiken, die ein Insider auf bis zu 160 Mio. Euro beziffert. Solcherlei hatte manch anderen Kaufinteressenten dazu veranlasst, nicht einmal einen symbolischen Euro, sondern einen Preis von exakt null Euro anzubieten. Zudem winkten Interessenten ab, als sie merkten, es bei Hannover Leasing mit rund 800 Gesellschaften zu tun zu bekommen. Eine umfassende Due Diligence erwies sich als Illusion, zumal die Pullacher zuletzt vor 15 Jahren eine Betriebsprüfung absolviert hatten.

Wie es an der Spitze von Hannover Leasing personell weitergeht, ist noch unklar. Beobachter rechnen damit, dass Corestate mindestens einen Vertreter in der dortigen Geschäftsführung installieren wird.

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