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Unternehmen | 22.12.2016

Aus IZ51/2016, S. 8

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:

"Erfasste Daten heißt nicht richtige Daten"

Neal Gemassmer ist für das Yardi-Geschäft außerhalb der USA verantwortlich. us
Neal Gemassmer ist für das Yardi-Geschäft außerhalb der USA verantwortlich.

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Yardi bietet Bestandshaltern seit 35 Jahren Softwarelösungen zur Verwaltung ihrer Objekte und Portfolios. Neal Gemassmer, Chef der internationalen Aktivitäten des Unternehmens, attestiert Deutschland eine lebhafte Proptech-Szene.

Immobilien Zeitung: Herr Gemassmer, was führt Sie heute nach Deutschland?

Neal Gemassmer: Ich verantworte das Auslandsgeschäft von Yardi, also alle Aktivitäten außerhalb der USA. Das habe ich acht Jahre lang von Hongkong aus getan, mittlerweile von Amsterdam, da wir unser Europageschäft ausbauen wollen. Und das führt mich heute nach Mainz-Hechtsheim, denn hier befand sich die deutsche Softwarefirma iMS, die wir dieses Jahr gekauft und in unser Unternehmen integriert haben.

IZ: War Yardi vorher hierzulande nicht aktiv?

Gemassmer: Doch, wir hatten ein Büro in Düsseldorf, das wir aber im Zuge der iMS-Übernahme aufgelöst haben. Mainz ist nun unsere neue Deutschlandzentrale. Wir haben zwar noch Außendienstmitarbeiter in Nordrhein-Westfalen, aber für ein eigenes Regionalbüro liegen die Städte dort zu nahe am Rhein-Main-Gebiet. Ich kann mir durchaus weitere Niederlassungen in Deutschland vorstellen, aber dann in anderen Regionen, Berlin zum Beispiel.

IZ: Wie viele Mitarbeiter hat Yardi zurzeit?

Gemassmer: Hier in Mainz haben wir 30 Mitarbeiter, in Europa rund 900, weltweit etwa 5.000. Wir sind ja schon seit 35 Jahren am Markt aktiv, unser Umsatz wächst seitdem im Durchschnitt jährlich mit 20% und liegt dieses Jahr bei rund 600 Mio. USD. Wir haben mit Software für Hausverwaltungen von Wohnhäusern begonnen, mit der Zeit kamen auch Lösungen für andere Immobilientypen hinzu. In Europa konzentrieren wir uns derzeit noch auf Gewerbeimmobilien. Mittlerweile decken wir vom Facility-Management über das Property-Management als Schwerpunkt bis zum Asset-Management die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienbranche ab. Was nun verstärkt hinzukommt, sind Apps und mobile Lösungen, um den Nutzern jederzeit und von jedem Ort aus den Zugriff auf ihre Daten zu ermöglichen.

IZ: Die digitale Transformation, von der so viel geredet wird, ist für Sie also weder neu noch überraschend?

Gemassmer: Yardi ist ein Teil dieser Transformation. Seit mittlerweile 16 Jahren legen wir Daten in der Cloud ab, also in Datencentern externer Anbieter, deren Infrastruktur wir selber betreiben. Das ist länger, als der Begriff Cloud überhaupt in diesem Zusammenhang verwendet wird. Und wir haben bereits 13 dieser Center, schon um den regional unterschiedlichen Anforderungen des Datenschutzes gerecht zu werden. Unsere Kunden legen viel Wert darauf, genau zu wissen, wo ihre Daten sind und wer darauf zugreifen kann. Auf der Forbes-Liste der 100 größten Cloud-Unternehmen weltweit stehen wir an 27. Stelle.

IZ: In welcher Weise unterschätzen Immobilienunternehmen Ihrer Meinung nach den digitalen Wandel?

Gemassmer: Sie verlassen sich zu sehr darauf, dass sie die richtigen Daten haben. Aber nur weil Daten einmal erfasst worden sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch korrekt sind. Wir erleben es oft, dass Details nicht passen oder einfach fehlen, wenn unsere Kunden Daten neuer Objekte einpflegen müssen. Sobald die Datenbasis nicht mehr stimmt, riskiert man Fehlentscheidungen. Man muss dann teilweise zurückgehen bis auf die ursprüngliche Datenquelle, das heißt auf die Papierform. Datenmanagement ist zudem ein offener Prozess, denn die Daten müssen auf dem neuesten Stand bleiben.

IZ: Glauben Sie, dass Proptechs hier ein neues Bewusstsein bei den Immobilienunternehmen schaffen können?

Gemassmer: Die Immobilienbranche gilt nicht ganz zu Unrecht als sehr konservativ und braucht ihre Zeit, um Veränderungen anzunehmen. Gerade in Berlin hat sich mittlerweile aber eine sehr lebhafte Start-up-Szene in Bezug auf die Proptechs etabliert, das hat schon fast den Charakter eines deutschen Silicon Valley. Von daher glaube ich schon, dass gerade ein Umdenken stattfindet.

IZ: Sehen Sie die aufstrebenden Proptechs denn als eine Bedrohung für Ihr eigenes Geschäftsmodell?

Gemassmer: Auf keinen Fall. Sie inspirieren uns. Die Geschäftsmodelle der Proptechs werden oft als disruptiv bezeichnet, weil sie Altbekanntes auf den Kopf stellen. Aber diese Disruption hält einen wach, das Wesen der digitalen Welt ist ja ihr ständiger Wandel. Als mich der Finanzchef eines unserer Kunden vor einigen Jahren auf einem gemeinsamen Flug fragte, warum er auf bestimmte Daten einer unserer Anwendungen nicht mobil zugreifen konnte, war ich überrascht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das jemand braucht. Mittlerweile ist das bei uns Standard, über Apps auf Kennzahlen aller Immobilien zugreifen zu können. Wenn man auf den Kunden eingehen will, muss man seine Bedürfnisse erkennen. Dazu leisten auch Proptechs einen wertvollen Beitrag.

IZ: Viele Proptechs reden vom "Internet der Dinge" (Internet of Things, IoT). Ist das die Zukunft?

Gemassmer: IoT ist ja zunächst nur ein Schlagwort. Es geht immer darum, einen konkreten Zusatznutzen für den Kunden zu generieren und damit dann auch Geld zu verdienen. Wenn man einmal anfängt, bestehende Systeme mit mobilen Apps zu kombinieren, treten plötzlich ganz neue Probleme auf, von der Verbindungsqualität bis zur Datensicherheit. Diese Probleme wollen gelöst werden. Wir tragen diesem Umstand dadurch Rechnung, dass wir jedes Jahr rund 20% bis 25% unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung stecken, bedeutend mehr als die meisten unserer Wettbewerber. Das können wir aber nur, weil wir ein reines Familienunternehmen sind, das sich nicht um den Aktienkurs sorgen muss.

IZ: Bei der Größe von Yardi können Sie sich neue Ideen ja auch dadurch zu eigen machen, indem Sie die Start-ups einfach aufkaufen. Aber wie reagieren Sie, wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert?

Gemassmer: Der Charme unserer Software ist ja gerade, dass es sich um eine offene Plattform handelt. Das heißt, wir binden auch die Lösungen von Drittanbietern ein, wenn unser Kunde das wünscht. Im Laufe der Jahre haben wir dazu mehr als 100 Schnittstellen, sogenannte APIs, programmiert. Der Kunde mietet ja unsere Software-Lösung und wir wollen, dass er seinen Vertrag verlängert. Wenn wir es also für ihn noch attraktiver gestalten können, seine Daten auf unserer Plattform zu verwalten, machen wir das.

IZ: Und welchen Bereich der Digitalisierung halten Sie am ehesten für Zukunftsmusik?

Gemassmer: Das Thema Visualisierung zum Beispiel ist wahnsinnig spannend, man kann sich mittlerweile ein Apartment in Dubai oder New York dreidimensional ansehen, ohne extra dorthin fliegen zu müssen. Aber ich denke, in diesem Segment stehen wir noch ziemlich am Anfang.

IZ: Herr Gemassmer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Schüppler.

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