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Unternehmen | 08.12.2016

Aus IZ49/2016, S. 11

Von Lars Wiederhold

In diesem Artikel:

ROM bricht alte Strukturen auf

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Früher Imtech, heute Rud. Otto Meyer Technik. Die operative Zentrale des Unternehmens befindet sich in einem Stuttgarter Gewerbegebiet.

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Vor etwa einem Jahr übernahm Rud. Otto Meyer Technik (ROM), Tochter der Bremer Gustav Zech Stiftung, etwa 2.300 operative Mitarbeiter sowie Projekte und Dienstleistungen des insolventen Gebäudeausrüsters Imtech Deutschland. Inzwischen hat ROM die Struktur komplett von einem Konzern in einen mittelständischen Betrieb umgebaut und nach Sparten aufgeteilt.

Mit dem neuen Eigentümer hat es Imtech Deutschland offenbar gut getroffen: "Wir sind froh, dass der Insolvenzverwalter einen Inhaber gefunden hat, der unser Geschäft kennt und etwas mit uns anfangen kann", sagt Jürgen Sautter, früher Mitglied der Imtech-Geschäftsleitung und heute in der ROM-Führungsetage. Das Unternehmen hätte stattdessen auch an einen kurzfristigen Investor oder an einen Wettbewerber mit Filetierungsplänen geraten können.

Der Unternehmenskauf lief nach einer rund dreimonatigen Prüfung als Asset-Deal ab. ROM führte etwa 400 und damit ein Drittel der Imtech-Projekte mit einem Auftragsvolumen von 40 Mio. bis 45 Mio. Euro fort, teils in Eigenregie, teils als Nachunternehmer des Insolvenzverwalters. "Wir sind aber kein Rechtsnachfolger", betont Ralf Behn, ebenfalls ROM-Geschäftsführer und insbesondere für die Finanzen von ROM zuständig. Dies sei ein Hinweis, der den Kunden öfters deutlich gemacht werden müsse, z.B. wenn es um Mängel gehe, die unter der Verantwortung von Imtech entstanden sind.

In dem Geschäftsfeld Service & Facility-Management hätten viele Kunden aber auch die ihnen nach dem Insolvenzrecht zustehende Möglichkeit zur Kündigung genutzt, um Aufträge neu ausschreiben zu können, erklärt Behn. "Das hatten wir nicht so eingeschätzt." In den Feldern Elektro und Mechanik seien die Auftraggeber in dieser Hinsicht zurückhaltender gewesen, allein schon um keine laufenden Projekte zu verzögern.

Einer der bekanntesten Auftraggeber von ROM ist die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) mit dem Großprojekt BER-Airport. Schmiergeldzahlungen im Rahmen des Flughafenbaus hatten im Oktober einem ehemaligen Imtech-Deutschland-Geschäftsleiter und einem seiner früheren Kollegen Bewährungsstrafen eingebracht (siehe "Urteile im BER-Prozess"). Bei diesem Projekt hat sich ROM entschlossen, einen komplett neuen Vertrag aufzusetzen und die Arbeiten zudem von einem Prüfunternehmen überwachen zu lassen.

Der durch die Vorkommnisse ausgelöste Imageschaden fällt laut Behn je nach Region unterschiedlich aus. Während er in Süddeutschland nicht vorhanden sei, seien die Auftraggeber im Westen eher deshalb verärgert, weil sich durch die Imtech-Insolvenz Projekte verzögerten. In Nord- und Ostdeutschland sei das Thema dagegen in den Medien sehr präsent gewesen. "Unsere Kunden interessieren sich aber mehr dafür, wie die neue Firma aufgestellt ist und welche Bürgschaften es gibt." Als Mitglied der Zech-Familie sei das Unternehmen aber hinsichtlich Liquidität und Bürgschaften gut aufgestellt.

Seit der Übernahme gewann der Dienstleister mit rechtlichem Sitz in Bremen, aber operativer Zentrale in Stuttgart neue Aufträge im Volumen von rund 300 Mio. Euro. "Im Moment herrscht wegen der niedrigen Zinsen Sonderkonjunktur", sagt Behn. Für das kommende Jahr stehen bislang etwa 150 Mio. Euro in den Auftragsbüchern. "Zielwert sind 350 Mio. bis 360 Mio. Euro", sagt Sautter. Behn hält auch 400 Mio. Euro für möglich. Allerdings sei die im Gegensatz zum Bau in der technischen Gebäudeausrüstung deutlich stärker ausgeprägte Wertschöpfungstiefe ein limitierender Faktor. Projektleiter werden z.B. von ROM nicht zugekauft. Die Pro-Kopf-Leistung der vorhandenen Mitarbeiter könne nicht grenzenlos erhöht werden und zusätzliche Kräfte seien derzeit wegen des Fachkräftemangels schwer zu gewinnen. Von anfangs 2.300 übernommenen Mitarbeitern sind derzeit noch etwa 2.000 übrig. "Viele haben ihre Entscheidung schon in der Insolvenzphase getroffen", erklärt Sautter. Einige kämen aber auch wieder zurück. Um den Mitarbeitern die Rückkehr zu erleichtern, bietet ROM diesen nach Einzelfallprüfung und sofern sie nicht länger als ein Jahr weg waren, an, dass sie so gestellt werden, als hätten sie das Unternehmen nie verlassen. "Es ist ein People-Business. Menschen bringen Vertrauen zu den Kunden", sagt Sautter. Wo das Unternehmen viele Mitarbeiter verloren hätte, falle es auch schwerer, Aufträge zu bekommen.

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Jürgen Sautter, Ralf Behn und Frank Zulauf (v.l.) sind Geschäftsführer von ROM. Sautter war zuvor schon bei Imtech Deutschland in der Führungsebene.

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Auf die Imtech-Mitarbeiter kamen durch den Wechsel des Arbeitgebers jedenfalls eine Menge Herausforderungen zu. Zum einen wurde von einer Konzernstruktur auf die Struktur eines Mittelständlers umgestellt. Während früher mehr Entscheidungen "von oben" getroffen wurden, ist heute eher unternehmerisches Denken gefragt. Zum anderen strukturierte ROM das zuvor regional aufgeteilte Unternehmen in eine Spartenorganisation um. "Es war sehr schwierig, das in die Köpfe zu bringen", sagt Sautter. Übernommen hat ROM nur die operativen Arbeitskräfte. Die komplette Verwaltung blieb außen vor, wurde aber überwiegend vom Insolvenzverwalter weiterbeschäftigt. Buchhaltung, Controlling, Personalführung, EDV und rechtliche Fragen von ROM werden nun zentral aus Bremen von Zech Management erledigt. "Eine Herkules-Aufgabe", sagt Sautter.

Im Wettbewerb sieht ROM eine seiner Stärken darin, als Komplettanbieter für technische Gebäudeausrüstung (TGA) das Projektgeschäft bedienen zu können, aus dem sich nach Eindruck der Geschäftsführung immer mehr Konkurrenten zurückziehen. Allerdings versuchten die Einkäufer der Kunden häufig Aufträge in viele Einzelgewerke zu zerteilen. "Der Bau hat für die TGA wenig Verständnis", weiß Behn, der in seinem beruflichen Lebenslauf viele Erfahrungen aufseiten von Strabag, Bilfinger und Hochtief sammeln konnte.

Idealerweise kommt das Unternehmen dagegen aus eigener Sicht schon in der Planung zum Zuge, z.B. über Lean-Construction-Modelle, den Einsatz von Building Information Modeling (BIM) und einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauteile. "BIM ist eine große Chance für Großprojekte", sagt Behn. Es biete zudem für den Dienstleister die Möglichkeit, Leistungsverzeichnisse und den Einkauf zu optimieren, z.B. weil früh genug klar ist, wie viele Meter Kabel benötigt werden, und diese zu einem guten Kupferpreis erworben werden können. Frank Zulauf, vor kurzem vom Wettbewerber Caverion in die ROM-Geschäftsführung gewechselt, sieht einen weiteren Vorteil darin, dass bei geplanten Projektänderungen den Kunden die Kostenfolgen aufgezeigt werden können, und das nicht nur für ein einzelnes Gewerk, sondern umfassend für alle.

Während es sich bei ROM um eine 2015 erfolgte Neugründung handelt, gab es den Firmennamen schon deutlich früher. So hieß ein 1858 in Hamburg gegründetes Unternehmen, das 2001 mit der früheren RWE-Gesellschaft Rheinelektra fusionierte und ein Jahr später unter Imtech Deutschland firmierte. Den Namen nun wieder aufleben zu lassen, war nach Sautters Meinung ein wichtiges Zeichen. "ROM war schon immer ein super Name", bestätigt auch Zulauf.

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