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Märkte | 08.12.2016

Aus IZ49/2016, S. 10

Von Christoph von Schwanenflug

In diesem Artikel:

Berlins größter Dark Store ist startklar

Bedrohliche Phalanx für jeden Supermarkt-Investor: Lieferflotte des Online-Supermarkts Bringmeister im Verdion Airpark in Berlin.  gg
Bedrohliche Phalanx für jeden Supermarkt-Investor: Lieferflotte des Online-Supermarkts Bringmeister im Verdion Airpark in Berlin.

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Während Rewe und Edeka sich in Berlin um jede Tengelmann-Filiale schlagen, bauen die Online-Supermärkte ihre Infrastruktur in der Hauptstadt massiv aus. Die Noch-Tengelmann-Tochter Bringmeister hat am Flughafen Schönefeld ein neues Fulfillment-Center in Betrieb genommen, im Oktober ist der Lieferservice von Kaufland gestartet.

"Zur Unterstützung unseres Teams an der Frischetheke suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n Fachverkäufer/in. Ihre Aufgabe ist die tägliche Zusammenstellung der Einkäufe unserer Kunden an der Frischetheke (Wurst, Fleisch, Käse)." Dies ist keine Annonce von Edeka oder Rewe, sondern eine Stellenangebot für das kürzlich eröffnete Fulfillment-Center von Bringmeister in der Nähe des Flughafens Schönefeld (An den Gehren 4).

Das Auslieferungslager von Bringmeister, einer Tochter von Kaiser's Tengelmann, muss man sich vorstellen wie einen großen Supermarkt. Die "Kunden", die dort einkaufen, sind allerdings keine Privatleute, sondern Angestellte des Unternehmens Bringmeister. Sie laufen durch die Halle, "picken" die über das Internet bestellten Waren aus den Regalen und warten, wie im richtigen Laden auch, an der Fleischtheke, bis sie an der Reihe sind. Dann beladen sie ihre Kleinlaster und fahren die Lebensmittel zu den echten Kunden in Charlottenburg, Mitte oder Kreuzberg. "Im Endeffekt ist das ein SB-Warenhaus", sagt ein Immobilienmanager, der das Gebäude von innen gesehen hat. Mit dem Tengelmann-Verkauf an Edeka wechselt in Kürze auch Bringmeister ins Eigentum der Hamburger Genossen.

Weil die Art, wie in Fulfillment-Centern des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) gearbeitet wird, dem Einkaufen im Supermarkt ähnelt, heißen sie in England auch Dark Stores - ein Begriff, der sich auch im hiesigen LEH einbürgert. Der Dark Store von Bringmeister ist mit 15.000 m2 der wohl größte Berlins. Gebaut hat ihn der Logistikentwickler Verdion auf einem rund 15 ha großen Gelände, an dem auch der US-Investor Rockspring beteiligt ist. Im ersten Bauabschnitt des Verdion Airpark Berlin haben sich außer Bringmeister die Spedition Dachser und das Metallunternehmen PUK angesiedelt.

Ein Greenhorn gegenüber Bringmeister (gegründet 1997) ist Kaufland. Das SB-Warenhaus mit 650 deutschen Filialen hat am 6. Oktober Anschluss an das Internet gefunden und in Berlin einen Lieferservice mit eigener Flotte gestartet. Gepickt und gepackt wird in Berlin-Lichterfelde. Kaufland bewirbt seinen Online-Shop in seinen Berliner Filialen und kündigt den "Ausbau in weiteren Regionen" an. Nach Bringmeister, Rewe und real ist Kaufland der vierte virtuelle Supermarkt, der aus Berlin heraus Berliner Haushalte beliefert. Eine solche Angebotsdichte gibt es in keiner deutschen Stadt.

Die Hipster-Metropole scheint der Ort zu sein, in dem die Wachstumschancen für den E-Commerce mit Lebensmitteln jetzt so richtig ausgelotet werden. Eine Studie der Managementberatung Oliver Wyman sieht den via Internet erzielten Umsatz im deutschen LEH 2020 bei 6 Mrd. bis 8 Mrd. Euro (2016: 1,3 Mrd. Euro). Da zwei Drittel der Haushalte von den maßgeblichen Online-Supermärkten gar nicht bedient werden, muss dieser Umsatz aus Ballungsräumen wie Berlin kommen. Dort profitieren die Unternehmen von kürzeren Lieferwegen und einer netzbegeisterten urbanen Kundschaft. "In den Großstädten leben Zielgruppen, für die der Online-Lebensmittelhandel trotz der Lieferkosten eine interessante Option ist, etwa weil sie wenig Zeit zum Einkaufen haben oder offen für innovative Handelsangebote sind", heißt es in einer Studie von GfK Geomarketing.

Auch Rewe hat zuletzt erheblich in Berlin investiert. "Im zweiten Halbjahr 2016 haben wir das zweite Fulfillment-Center in Betrieb genommen", heißt es auf Anfrage der Immobilien Zeitung. Die Dark Stores von Rewe liegen in Marienfelde und Pankow. Über die Größe gibt Rewe keine Auskunft. Plusminus 15.000 m2 scheint aber derzeit die Norm für ein neues LEH-Fulfillment-Center mit einem regionalem Liefergebiet zu sein. Dies zeigt der geplante Dark Store in Köln-Niehl. Einem unbestätigten Bericht des Kölner Stadtanzeigers zufolge wird das Auslieferungslager für Rewe Digital an der Scarletallee, das 2018 in Betrieb gehen soll, 16.000 m2 groß. Verkäuferin des Grundstücks sei die Stadt, schreibt der Stadtanzeiger. Köln-Niehl werde ein halb so großes Rewe-Fulfillment-Center in Hürth ersetzen. Dies zeigt die Dynamik des Markts. Als die Kölner vor etwa drei Jahren begannen, massiv in den E-Commerce zu investieren, wurden noch ehemalige Supermärkte als Fulfillment-Center genutzt. Dann mietete Rewe um die 5.000 m2 große Bestandsimmobilien. Jetzt hat die Phase von dreimal so großen Neubauten begonnen.

Während Rewe Digital mit viel Geld seine Logistik ausbaut, hat mytime.de, der Online-Supermarkt von Bünting (liefert bundesweit aus Oldenburg), seine "personelle Struktur und das Sortiment verkleinert", berichtet die Lebensmittel Zeitung. Unternehmer bemühten sich mit Hilfe des Logistikers BLG um eine größere Beteiligung, heißt es im Bericht.

Rewe erhält Tengelmann-Filialen

Das Ergebnis im zweijährigen Tauziehen um die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann (KT) steht: Rewe bekommt 67 von rund 400 KT-Filialen. Der größte Teil davon liegt in Berlin. 330 Filialen (Berlin, Nordrhein-Westfalen, Raum München) gehen an Edeka. Die zwischen Edeka und Rewe ausgehandelte Aufteilung des KT-Filialnetzes haben die Firmen dem Bundeswirtschaftsministerium zur Prüfung vorgelegt. Edeka hat jetzt auch Tarifverträge für die KT-Mitarbeiter mit den Gewerkschaften NGG und ver.di geschlossen. Sobald Rewe seine Klagen gegen die Übernahme von KT durch Edeka zurückzieht, steht dem Verkauf des Unternehmens an Edeka nichts mehr im Weg. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte ihn gegen den Willen des Bundeskartellamts per Ministererlaubnis möglich gemacht und sich persönlich in die Verhandlungen von Rewe und Edeka eingeschaltet. cvs

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