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Märkte | 01.12.2016

Aus IZ48/2016, S. 7

Von Martina Vetter

In diesem Artikel:
  • Städte:
    Berlin
  • Projekte:
    Euref-Campus Berlin
  • Unternehmen:
    empirica, ImmobilienScout24, Immomio, Store.me, Brickspaces
  • Organisationen:
    ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Rat der Weisen der Immobilienwirtschaft, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
  • Personen:
    Andreas Mattner, Harald Simons, Giannis Paraskevopoulos
  • Immobilienart:
    Wohnen, Logistik, Gewerbe allgemein

"Als smart gilt, was Strom verbraucht"

Ulf Büschleb
Harald Simons hält die Möglichkeiten der Smart-Home-Technologien überwiegend für überflüssig. Warum, erklärte er beim Innovation Day des ZIA.

Ulf Büschleb

Wie werden Smart-Home-Technologien, Big Data oder neue Geschäftsmodelle von PropTechs die Immobilienwelt verändern und welche Folgen hat die immer weiter voranschreitende Digitalisierung für den Bau oder die Verwaltung von Gebäuden? Um diese und andere Fragen ging es Mitte November beim ZIA Innovation Day. Antworten gab es beim Property-Slam und in Elevator Pitches.

Würden Sie es schaffen, ihr Geschäftsmodell in zwei Minuten zu erklären? Genau so viel Zeit hatten die Teilnehmer der Elevator Pitches, um ihr PropTech-Unternehmen vorzustellen. Am Ende der verschiedenen Themenblöcke gehörte das Podium im Gasometer auf dem Berliner Euref-Campus jeweils für die Dauer einer Aufzugfahrt zwei Start-ups aus der Immobilienbranche. Kurz, aber prägnant sollten sie den Vertretern der als konservativ geltenden Immobilienbranche zeigen, woher der digitale Wind weht.

Zum Beispiel, wie sich ungenutzte Gewerbe- oder Lagerflächen vermarkten lassen. Das Start-up Store.me etwa bietet kurz- oder längerfristig Lagerflächen, vom kleinen Kellerabteil bis zur riesigen Halle, an, während Brickspaces Läden oder Büros für Pop-up-Konzepte vermittelt. "Große Unternehmen sind, was Leerstände angeht, sehr ineffizient und haben oft keinen Überblick, welche Flächen ungenutzt sind", sagt Giannis Paraskevopoulos, Mitbegründer von Brickspaces. Dabei könnten solche Flächen lukrativ vermarktet werden.

Viele digitale Vermarktungsplattformen stecken indes noch in den Kinderschuhen. Aber auch Immobilienscout24 habe fünf Jahre gebraucht, um erfolgreich zu sein, erinnert Marc Stilke, der Ex-Chef des Unternehmens, der beim Panel "In welche PropTechs investieren Profis?" mit auf dem Podium stand. Es bleibt also abzuwarten, ob sich Angebote wie das von Immomio durchsetzen können, das Eigentümern oder Verwaltern mittels eines Matching-Algorithmus, wie er auch auf Plattformen für die Partnersuche verwendet wird, eine Auswahl an passenden Mietern präsentiert und damit Wohnungssuchenden wie Vermietern Zeit sparen will.

Aber nicht nur bei der Vermarktung, sondern auch bei der effizienteren Verwaltung von Immobilien sind digitale Lösungen auf dem Vormarsch. Manche Entwicklungen, wie eine einheitliche Betriebskostenabrechnung, sind nach Ansicht von Experten wie Harald Simons, Mitglied des Vorstands von empirica und im Rat der Immobilienweisen, längst überfällig. Jedoch ergebe längst nicht alles Sinn, was technisch möglich sei, glaubt er und rückt nebenbei gleich mal gerade, dass der von ihm moderierte Property Slam Wohnen nichts anderes als eine Podiumsdiskussion zu eben diesem Thema sei.

In seinem Vortrag zum Thema Wohnen sezierte Simons zuvor pointiert, weshalb smarte Steuerungssysteme nach seiner Analyse weitgehend überflüssig sind. Er erzählt von unnötig verlegten orangenen Netzwerkkabeln, die heute dank WLAN kein Mensch mehr brauche, von "hysterischen Sonnenschutzrollos", die ständig hoch und runter fahren, sobald sich eine Wolke vor die Sonne schiebt und kurze Zeit später wieder verschwindet, oder vom Rollo im heimischen Schlafzimmer, das täglich pünktlich um sechs Uhr in der Früh nach oben ging, weil dessen Steuerung entsprechend programmiert war: "Ich will aber nicht jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen", sagt Simons, der lieber analog einen An-Aus-Schalter bedient, als die Steuerung des Rollos via Smartphone oder kompliziertem Bedientableau der jeweils gewünschten Weckzeit anzupassen. "Als smart gilt heutzutage alles, was in erster Linie Strom verbraucht", resümiert er und lässt auch sonst nicht viel Gutes an der "schönen neuen Immobilienwelt", in der via Smart-Meter oder in den Räumen eingebauter Sensoren permanent riesige Datenmengen erfasst werden.

Der Nutzen, der daraus resultiere, sei jedoch im Verhältnis zu den Kosten und dem Stromverbrauch, den solche Systeme verursachten, verschwindend gering. Was nütze es etwa, wenn man via Smartphone benachrichtigt werde, dass die Wohnungstür unberechtigt geöffnet worden sei? "Die durchschnittliche Dauer eines Einbruchs beträgt fünf bis zehn Minuten", sagt Simons. Bevor man selbst oder die Polizei vor Ort sein könnte, wären die Diebe also schon über alle Berge.

Allenfalls die Fernsteuerung der Heizung per Smartphone könnte von Vorteil sein, etwa wenn man auf dem Weg vom Skiurlaub nach Hause schon mal die Heizung hochfahren kann, damit es mollig warm ist, wenn man zuhause ankommt. Die Energieersparnis durch das Drosseln der Heizung während der eigenen Abwesenheit sei mit 4% jährlich wiederum so gering, dass sich die Investition für die Technik zumindest für private Haushalte kaum rechne. Nur für Spitzenverbraucher lohnt sich einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge der Einbau von Smart-Meter.

Gute Dienste können Smart-Meter offenbar bei Hotels leisten. Hier kann dank funkgesteuerter Thermostate viel Heizenergie gespart und das Portemonnaie des Betreiber geschont werden. Das zeigen die ersten Erfahrungen von Hoteliers, die an der einjährigen Pilotphase des Start-ups Betterspace teilnahmen. Betterspace hat sich auf ganzheitliche digitale Lösungen spezialisiert, mit denen der Hotelbetrieb unter anderem durch Gebäudeautomatisierung optimiert werden kann. In puncto Heizung sorgt eine Software dafür, dass ein Zimmer nicht mehr beheizt wird, wenn der Hotelgast längst ausgecheckt hat. Um bis zu 31% reduzierte sich der Verbrauch von Heizenergie bei den Hotels, die an der Pilotphase teilnahmen.

In welchen Bereichen sich digitale Lösungen am Ende tatsächlich durchsetzen werden, erscheint völlig offen. Während manche Entwicklungen wie Spielerei anmuten, könnten andere wie das Building Information Modeling (BIM), das alle relevanten Gebäudedaten vom ersten Spatenstich an über die gesamte Betriebszeit einer Immobilie erfasst, langfristig das Planen und Bauen verändern. Bislang aber nutzt laut Simons nur ein Bruchteil der Unternehmen im deutschsprachigen Raum das in anderen Ländern schon weit verbreitete System.

Auch sonst hängt die Branche offenbar hinterher: "Nur 5% des Jahresumsatzes investieren Unternehmen zurzeit in die Digitalisierung", so ZIA-Präsident Andreas Mattner, der an die mehr als 400 Teilnehmer des Innovation Days appellierte, ihre Geschäftsmodelle zu prüfen, damit künftig nicht Dritte Geld mit Immobilien verdienten und die Branche nur noch als "Zulieferer" von Gebäuden fungiere: "Wer nicht handelt, bleibt zurück", mahnt Mattner, "das gilt beim Thema Digitalisierung in ganz besonderem Maße."

Grund zur Panik, den Anschluss zu verpassen, besteht nach Ansicht von Simons indes zumindest mit Blick auf die Wohnungswirtschaft nicht. Die Digitalisierung werde weiter voranschreiten, "auch wenn viel Klimbim entwickelt, wild diskutiert und einen stillen Tod sterben wird". Teilbereiche müssten sich jedoch auf größere Veränderungen einstellen und auch Neues und Überraschendes werde noch kommen, ist Simons überzeugt. Dabei sollte man sich aber vor Augen führen, dass die Digitalisierung schon lange voranschreitet und sich die meisten längst daran anpassen würden. Simons‘ Fazit: "Die Digitalisierung gleicht damit eher einer Evolution als einer Revolution."

Mehr zum Thema im aktuellen Herbstdiskurs der Immobilienweisen: www.zia-deutschland.de/publikationen.

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