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Projekte | 05.12.2017

Von Gerda Gericke

In diesem Artikel:

Baugenehmigung für Berliner Problemturm Steglitzer Kreisel

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Gerda Gericke
Dieser Anblick ist Geschichte. Büroturm war gestern. Ausgestattet mit Loggien und Balkone entstehen 329 schicke Eigentumswohnungen

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Gerda Gericke

Vor Jahren wollte ein Berliner Finanzsenator den jetzt bald seit elf Jahren leer stehenden, damals asbestverseuchten Steglitzer Kreisel abschließen und vergessen, sein Nachfolger den 118,5 m hohen vermaledeiten Turm aus den 1970er Jahren verschenken. Das ist am boomenden Berliner Markt längst kein Thema mehr. Das Ungetüm im Stadtbezirk Steglitz wurde verkauft und jetzt liegt für den auf Kosten des Landes Berlin gründlich ausgeweideten Kummerturm Baurecht für 329 schicke Eigentumswohnungen vor.

Aufatmen beim bundesweit tätigen Projektentwickler CG Gruppe: "Die Baugenehmigung für die Sanierung und Umnutzung von Büro auf Wohnen im bekannten Hochhaus wurde erteilt", freut sich Vorstand Jürgen Kutz. Die Wiederauferstehung des "ÜBerlin" getauften Problemturms lassen sich Kutz und seine Finanzinvestoren (50% der CG Gruppe gehören der Immo-AG Consus Real Estate) 220 Mio. Euro kosten.

Die Bauarbeiten für die zwischen 31 qm und 120 qm großen Wohnungen und Penthäuser lässt Kutz im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Derzeit finden im Gebäude vorbereitende Arbeiten zur Sicherung und zum Brandschutz statt. 2021 will Kutz fertig sein. "Müssen wir sogar", lacht der Entwickler. 2007 nämlich pinselte beim Abschiedsfest einer der Büroarbeiter: "2007 good bye. In 15 Jahren sehen wir uns wieder", an die Wand. "Diesen Wunsch wollen wir erfüllen." Oben im Turm befand sich bis 2007 ein Teil des Bezirks-Rathauses.

Turmwohnungen mit stolzen Preisen

Dass sich Beamte und Beschäftigte einer Behörde die neuen Bleiben leisten können, ist eher unwahrscheinlich. Die Preise für die Eigentumswohnungen beginnen bei 4.300 Euro/qm und klettern mit jeder Etage weiter nach oben. Das Ende der Fahnenstange für die normalen Wohnungen sei bei 9.000 Euro/qm erreicht. Die Penthäuser hoch über der Stadtautobahn und dem Busbahnhof sind teurer. Der Durchschnittspreis am Eingangstor zur Einkaufsstraße Schloßstraße beträgt 7.400 Euro/qm. Obwohl der Vertrieb offiziell noch gar nicht begonnen habe, hätten schon jetzt "zahlreiche potenzielle Käufer ihr Interesse angemeldet", beteuert Kutz.

Pro Stockwerk stehen etwa 830 qm Wohnfläche zur Verfügung. Durch unterschiedliche Zuschnitte und Preisklassen sollen verschiedene Zielgruppen vom Single bis zur Familie und vom lokalen bis zum internationalen Käufer erreicht werden. Insgesamt werden knapp 23.700 qm Wohnfläche neu geschaffen.

Sockelsanierung erfolgt im zweiten Schritt

Weitere 70 Mio. Euro wollen Kutz und Kollegen in einem zweiten Schritt in den Sockel des Gebäudes pumpen. Gemeint ist die Sanierung von Läden und Büros, einem Hotel aber auch rund 70 Mietwohnungen. Letztere will Kutz für 12,50 bis 15 Euro/qm vermieten. "Das sind die im Bezirk üblichen Preise", sagt der Entwickler selbstbewusst. Die Entwürfe für den Umbau des Gesamtkomplexes stammen vom Leipziger Architekturbüro Fuchshuber und sollen das hässliche Entlein auch durch nachträglich angebaute Balkone und Loggien in einen schönen Schwan verwandeln.

Vor gut zehn Jahren spitzte sich die Zukunft des Kreisels auf die Frage zu: "Will den jemand haben oder kann der weg?" Jahrelang bot der Berliner Senat seinen verseuchten Kummerturm an wie Sauerbier. Mal trugen sie den ollen Turm auf die Immobilienmesse Mipim ins südfranzösische Cannes, mal sprachen sie mit Chinesen, dann mit der Meridian-Stiftung, dann mit einem Scheich aus Katar. Das ging, bis sich der Berliner Immobilienmarkt drehte, die deutsche Hauptstadt hip wurde.

Nach endlos zähen Verhandlungen, Schlagabtauschen, Gutachten und juristischem Geschacher mit der Stadt erhielten Kutz und sein Vorstandskollege Christoph Gröner den Zuschlag. Erst erwarben sie den Sockel vom Berliner Immobilienunternehmen Becker & Kries, im Sommer vergangenen Jahres dann auch den Turm vom Land Berlin.

Immobilienskandal um die schöne Sigi

Das Verfahren dauerte und dauerte, sicher auch deshalb, weil die Verkäufer den Investoren ganz genau auf die Finger schauen wollten. Ärger gab es mit dem Stahl-Beton-Koloss nämlich mehr als genug. Und das vom ersten Tag an. Am Anfang stand einer der größten Immobilienskandale, die das an solchen Affären wahrlich nicht arme West-Berlin zu bieten hatte. In seinem Mittelpunkt: Sigrid Kressmann-Zschach. Die Investorin und Architektin, von der Boulevardpresse "die schöne Sigi" genannt, hatte sich Ende der 60er Jahre Grundstücke im Bezirk gesichert. Die Areale waren von entscheidender Bedeutung für den Bau der U-Bahn-Linie 9. Mit diesem Faustpfand trotzte die glamouröse Dame den Behörden den 118,5 m hohen Turm ab und sicherte sich gleichzeitig die informelle Zusage des Bezirks, die Büros anzumieten. Das für den Bau nötige Eigenkapital brachten Kommanditisten auf, die von der komfortablen 75%igen Sonderabschreibung für gewerbliche Investitionen in West-Berlin profitierten.

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