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Digitales | 12.07.2017

Von Ulrich Schüppler

In diesem Artikel:
  • Unternehmen:
    CBRE Group, Heuer Dialog
  • Organisationen:
    Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
  • Personen:
    Thomas Jung, Viktor Weber, Katarina Adam, Sören Kerner, Gernot Bahle

Digitalisierung wirkt anders, als der Immobilienprofi denkt

Qelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler
Die Moderatoren des Real-Innovation-Kongresses (v.l.n.r.): Thomas Herr (CBRE), Viktor Weber (Future Real Estate Institute) und Mark Offermann (Branchenverband ReTechDach).

Qelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Was sich hinter Begriffen wie Augmented Reality, Blockchain, Internet of Things oder Künstlicher Intelligenz verbirgt, ist nur wenigen Immobilienprofis geläufig. Licht ins Dunkel brachte die Veranstaltung Real Innovation in Berlin.

Unter dem Motto Property meets Technology hatten Heuer Dialog und CBRE eine Reihe von Wissenschaftlern eingeladen, die den Immobilienprofis die Konzepte erläuterten, von denen künftig die größten Veränderungsimpulse ausgehen dürften. Ergänzt wurde das um Praxisbeispiele von Start-ups, die diese Technologien schon heute einsetzen und damit Lösungen entwickeln.

Wo die Datenkraken lauern und wie man sie in Schach hält

Thomas Jung von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW) erläuterte die Prinzipien der Augmented Reality, bei der reale Räume digitalisiert und dann beliebig verändert und mit tatsächlich vorhandenen Objekten gemischt werden können. Dabei wurde klar, dass Google mit dem Scannen der Außenbereiche von Gebäuden nur den Anfang der technischen Möglichkeiten ausgelotet hat.

Die ab diesem Jahr erhältlichen Android-Smartphones verfügen über Googles Tango-Technologie, mittels der beliebige Innenräume von jedem Nutzer in kürzester Zeit abgescannt, in digitale Grundrisse verwandelt und in der Cloud abgelegt werden können. Dort werden diese Daten alle miteinander verknüpft und auf ewig gespeichert. Jung erklärte, was das praktisch bedeutet: "Nehmen wir an, ein Freund besucht Sie in Ihrer neu angemieteten Wohnung, die Sie vorher mit Tango gescannt haben, um die Quadratmeterangaben des Vermieters zu überprüfen. Ihr Freund wird Sie dann nicht erst fragen müssen, wo er die Toilette findet: Google wird es bereits wissen." Eine Vorstellung, die bei vielen Anwesenden durchaus für Befremden sorgte.

Im Zeitalter solch großer Datenströme stellt sich natürlich sogleich die Frage, wie man die Vertrauenswürdigkeit von Daten erhöht und sie gegen unbefugte Zugriffe sichert. Katarina Adam, ebenfalls Forscherin an der HTW, erläuterte dazu das Prinzip der Blockchain-Technologie. Auf ihr beruhen sogenannte Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin.

Im Grunde handelt es sich bei der Blockchain um eine Datenbank, die nicht zentral gespeichert, sondern verteilt auf mehreren tausend beteiligten Rechnern abgelegt ist und deren Inhalt durch alle Teilnehmer wechselseitig stets auf Echtheit überprüft werden kann. Adam sieht in dieser Technologie einen wesentlichen Baustein, um Hacker-Angriffe abzuwehren, da diese bei einer Blockchain alle beteiligten Rechner parallel angreifen müssten.

Maschinen ticken anders als Menschen

Sören Kerner vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund zeigte an praktischen Beispielen aus der Logistikindustrie, dass das Internet der Dinge nicht nur ungewöhnliche Lösungen liefert, sondern auch neue Herausforderungen für die Immobilienbranche stellt. So ist es für Versandhändler wesentlich effizienter, die Regale für den Zugriff der Warenkommissionierer von kleinen Robotern umparken zu lassen, als den Robotern beizubringen, die Ware selbst zu verpacken.

"Roboter beherrschen nach wie vor nur ganz bestimmte Prozesse gut, diese meistern sie aber wesentlich effizienter als ein Mensch", sagte Kerner. Treppensteigen gehört beispielsweise nicht zu den Dingen, die Roboter besonders gut können. Immobilien, in denen künftig Robotik eingesetzt werden soll - denkbar zum Beispiel auch zur Unterstützung betagter Menschen - sollten dieser Anforderung Rechnung tragen, forderte Kerner: "Wir müssen die Gebäude maschinengerecht machen."

Gernot Bahle vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zeigte, dass Maschinen trotz gigantischer Datenmengen grundsätzlich anders denken als der Mensch. "Von echter künstlicher Intelligenz sind wir mindestens 150 Jahre entfernt", sagte Bahle. Darum gehe es aber auch gar nicht. "Jede hinreichend fortgeschrittene Analyse, die auf einer ausreichend großen Datenmenge beruht, ist im Ergebnis von Intelligenz nicht zu unterscheiden", fügte der Forscher hinzu. Allerdings komme es darauf an, die Fragen genügend genau zu formulieren, die durch eine solche Analyse beantwortet werden sollen.

Die Immobilienbranche unterschätzt die Digitalisierung nach wie vor

Genau daran hapert es aber, wie eine Studie ermittelte, die das Future Real Estate Institut im Auftrag von CBRE durchgeführt hatte und die im Rahmen der Veranstaltung Real Innovation vorgestellt wurde. Demnach sagen 89% der Befragten, dass die Digitalisierung in ihrem Unternehmen nicht reibungslos läuft.

Viele Mitarbeiter fühlen sich zudem durch Digitalisierungsthemen überfordert, da sie sich in neue Themen zusätzlich zum Tagesgeschäft einarbeiten müssen. 70% beklagen, dass die dazu notwendige Kompetenz in Eigenregie erlangt werden muss. Studienleiter Viktor Weber forderte daher vor allem mehr Fort- und Weiterbildungsangebote und mehr Sensibilisierung für das Thema auf Seiten des Managements.

Auch Blockchain-Forscherin Katarina Adam warnte die Immobilienbranche davor, die Hände in den Schoß zu legen: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass dort draußen gerade junge, hungrige Software-Entwickler darüber nachdenken, welche Prozesse der Immobilienwelt sich besonders gut automatisieren lassen."

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