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Recht | 21.03.2017

Von Nicolas Katzung

In diesem Artikel:

Georg Funke: Die HRE ist von außen zerstört worden!

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze
Georg Funke beim Strafprozess im Landgericht München.

Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze

Georg Funke wies heute vor dem Landgericht München alle Schuld am Desaster um die Hypo Real Estate (HRE) im Herbst 2008 von sich. Die Angaben in den Geschäftsberichten hätten stets dem wahrhaften Zustand der HRE entsprochen. Und, die Botschaft schien Funke noch viel wichtiger: Die HRE wurde durch die Einwirkung Dritter zerstört.

Am zweiten Prozesstag im Strafverfahren gegen Funke und den früheren HRE-Finanzchef Markus Fell war der Hauptangeklagte mit seinem Statement an der Reihe. Und Funke teilte ordentlich aus. Schnell sprechend, mit fester Stimme und in teilweise belehrendem Tonfall machte er seinen Zuhörern klar, was er von den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft hält: gar nichts. Seinen aggressiven Ton relativierte Funke später. Dieser sei nicht beabsichtigt gewesen. Ihm gehe es vielmehr um die Sache und um "ein faires Verfahren".

Die Anklage sei in vielen Punkten unrichtig oder die Fakten würden zu seinen Lasten unvollständig dargestellt. Die Angaben in den Geschäftsberichten hätten stets der damaligen Liquditäts- und Refinanzierungssituation entsprochen und damit ein korrektes Bild der HRE wiedergegeben, sagte Funke mit Blick auf die Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers.

Depfa-Kauf war eine wohl überlegte Aktion

Auch sei die HRE nicht das in der Anklage beschriebene ungeordnete Unternehmen gewesen, sondern ordentlich geführt worden. Die HRE "befand sich allerdings am Beginn eines für die Gruppe gewaltigen Integrationsprozesses, der jedoch klar strukturiert und terminiert war". Der Ende 2007 erfolgte Kauf der Depfa sei keine übereilte, "nicht wohl überlegte Aktion" gewesen. Außerdem habe die Depfa auch kein, wie in der Anklageschrift behauptet wird, aggressives Geschäftsmodell zum Zwecke der Zinsspekulation betrieben. "Wir waren gar nicht daran interessiert, auch nicht am Investmentbanking der Depfa." Deshalb habe man vor der Übernahme die offenen Zinspositionen geschlossen und das Investmentbanking eingestellt.

Falsch sei die Unterstellung der Staatsanwaltschaft, die HRE hätte sich in einer akuten Notlage befunden und gerettet werden müssen. "Die HRE war zu jedem Zeitpunkt liquide und konnte sich stets aus eigener Kraft refinanzieren." Auch die Datenqualität der HRE zur Beurteilung der eigenen Liquiditätslage sei entgegen der Anklageschrift nicht mangelhaft gewesen. "Unsere Zahlen waren immer korrekt."

"Ackermann hat die HRE verraten"

Und dann kam die Aussage, auf die viele gewartet hatten: "Die HRE wurde durch die unverantwortliche Einwirkung Dritter zerstört", sagte Funke. Damit meinte er unter anderem den früheren Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, den er wenige Tage nach der Pleite von Lehman Brothers mit der Beschaffung einer "Back-up-Linie" über 15 Mrd. Euro als langfristige Absicherung der Liquiditätslage beauftragt hatte, und der in diesem Mandatsverhältnis die HRE denunziert und damit jegliches Vertrauen in das Management bzw. die Kreditwürdigkeit der HRE-Gruppe zerstört habe. Auch den damaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält Funke für schuldig an der Misere der HRE, weil dieser nach der "Rettung" der HRE Ende September 2008 von der geordneten Abwicklung der HRE sprach und der Bank damit wichtige Geldquellen abgeschnitten worden seien. "Eine katastrophale Mitteilung in dieser Zeit."

Eines machte Funke besonders deutlich: Dass die HRE nach seiner Einschätzung auch nach der Lehman-Pleite nicht illiquide war, trotz Depfa. Ganz im Gegenteil: "Die Depfa war mindestens bis in den November durchfinanziert. Von einem Notfall konnte also keine Rede sein." Ohne Grund und ohne Rücksprache mit dem Vorstand der HRE sei der Bank mit dem Segen der Aufsicht ein sogenanntes "Rettungspaket" in Höhe von 35 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt worden. "Die HRE ist ohne jede rechtliche Grundlage an den rechtlich bestellten Gremien vorbei von der Deutschen Bank mit Hilfe des Chefs der Finanzaufsicht, Herrn Jochen Sanio, praktisch übernommen und letztlich zum Schaden der Aktionäre und des Steuerzahlers schwer geschädigt worden", polterte Funke.

"Vielleicht wäre es besser gewesen, still zu halten, wie es andere Banken getan haben"

Der einzige Fehler, den er sich selber zurechnen lassen müsse, sei jener, sich mit einer vorsorglichen Kreditlinie an die seinerzeit von Josef Ackermann geführte Deutsche Bank gewandt zu haben. "Vielleicht wäre es besser gewesen, wie es andere Banken auch getan haben, still zu halten und zu versuchen, sich mit kurzfristiger Refinanzierung über die Wochen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hinüberzuretten."

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