IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 15.07.2010
Erfurt
Büros im alten Stasi-Knast
11,5 Mio. Euro nimmt die OFB Projektentwicklung, Frankfurt am Main, in die Hand, um den ehemaligen Stasi-Knast in der Erfurter Andreasstraße in ein Büro- und Verwaltungsgebäude umzubauen. Dabei müssen die Entwickler viel Fingerspitzengefühl beweisen, weil neben den Büros für Freiberufler eine große Dauerausstellung an die unselige Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes erinnern soll. Die jetzt begonnenen Bauarbeiten sollen im September 2011 beendet sein.
"Die MfS-Haftetage im zweiten Obergeschoss bleibt authentisch erhalten", verspricht Thüringens Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Thomas Deufel, beim ersten Spatenstich. Im Jahr 2002 wurde die Andreasstraße als Gefängnisstandort aufgegeben. Jahrelange Diskussionen um Ideen, Aufarbeitungsszenarien und mögliche neue Verwendungen des Baus schlossen sich an. 2005 legte der Denkmalschutz seine Hand auf den roten Backsteinbau. Und im September 2009 die OFB Projektentwicklung, als sie den Kaufvertrag mit dem Land unterschrieb. Die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba), Muttergesellschaft der OFB, übernimmt die Finanzierung.
Rund 7.300 qm BGF galt es zu verteilen. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Freistaat Thüringen, der Stadt und Aufarbeitungsinitiativen wird auf 3.000 qm Fläche eine Gedenk- und Bildungsstätte unter Trägerschaft der Stiftung "Gedenken – Erinnern – Lernen. Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" errichtet. Im ehemaligen Haftzellentrakt des Westflügels bilden authentisch erhaltene Bereiche, Ausstellungsflächen, Medien- und Seminarräume die Basis für diese Arbeit. 5,6 Mio. Euro des Investitionsvolumens steuert das thüringische Kultusministerium dafür zum Bauvolumen bei.
Kleine 650 qm im ehemaligen Kommandantenhaus gehen nach der Sanierung an eine polizeiliche Beratungsstelle und den Kontaktbereichsbeamten.
Mit 3.700 qm gut die Hälfte der Fläche werden von der OFB zu Büros umgebaut. Der Ex-Knast ist zentral gelegen, von Dom und Altstadt einen Katzensprung entfernt. 60 Parkplätze und eine ordentliche Anbindung an den Nahverkehr zeichnen diesen Standort in den Augen der Entwickler als Bürostandort aus. Ein großes Foyer, ein neuer Vorplatz, eine eigene Zu- und Abfahrt und das Öffnen der ehemaligen Gefängnismauer sollen die unselige Vergangenheit für die potenziellen Mieter ein Stück weit vergessen machen.
Mietverhandlungen führt die OFB mit Ärzten, Physiotherapeuten, Bauleuten, Tragwerksplanern und Rechtsanwälten. Bezahlen sollen diese 10 Euro/qm. Gesprochen wird aber auch mit zwei Investoren, die Interesse zeigen, den ehemaligen Stasi-Knast zu kaufen. (gg)

