IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 04.03.2010
Energieeffiziente Hotels
Ambitioniert: Kettenhotellerie will grüne Herbergen
In der Hotellerie liegt umwelttechnisch noch vieles im Argen. Dabei müsse sich hier etwas tun, meinen Experten. In vielen Häusern lasse sich durch einfache Maßnahmen viel Geld sparen. Und: Großkunden setzen zunehmend bevorzugt auf grüne Hotels. Es ist Zeit, das Thema "Green Hotel" zu entdecken.
"Wir buchen euch nicht mehr", heißt es zunehmend von Großkunden wie den Fluglinien oder Unternehmen wie Siemens oder Microsoft, wenn nicht bestimmte Umweltstandards eingehalten werden, berichten Manager von Hotelkonzernen. Eine zunehmende Nachfrage nach einem "grünen" Tagungsgeschäft hat auch Peter Zimmer, Gründer Futour Umweltberatung, festgestellt. So seien die Dax-Unternehmen alle international gerated, und die Kriterien umfassen, wenn auch in geringem Umfang, auch ethische und soziale Aspekte.
InterConti will alle Hotels zertifizieren
Mit ökologischen Maßnahmen lasse sich im Hotelbetrieb aber auch Geld sparen, betont Peter Zimmer, der auch Auditor für das Green-Globe-Zertifikat ist. Es werde in vielen Häusern immer noch zu viel Heizenergie, Wasser und Strom verbraucht, betont er. In Checklisten etwa des Hotel- und Gaststättenverbands sei klar zu sehen, wann sich welche Maßnahmen rechnen. Er wundert sich, dass diese so selten genutzt werden, um kleine Kostenfresser aufzudecken. So bringe etwa die Umstellung von abgepackter Butter auf Blockbutter Einsparungen von 1.200 Euro pro Jahr. Und der Einbau einer Stopp-Taste in der Toilette reduziere deren Wasserverbrauch um 40%. Wichtig sei es dann auch, das eigene Umweltengagement als Marketingtool zu nutzen, etwa durch Zertifizierungen oder durch dezente Hinweise an den Gast. "Das kann zum Beispiel ein Schild an der Rezeption sein: ,Wenn Sie wünschen, rufen wir ein Hybridtaxi’."
Auch im Krisenjahr in das Umweltprogramm investiert
Den wirtschaftlichen Aspekt betont auch Martin Bowen, Entwicklungsdirektor bei der InterContinental Hotels Group (IHG), die das Programm Green Engage aufgelegt hat. IHG hat dabei Standards für Neu- und Umbauten festgelegt, die sich an den Zertifizierungkriterien von LEED, BREEAM und Green Globe orientieren. Bis Ende März erwartet er eine Einigung mit den Zertifizierungsstellen, danach soll mit der Zertifizierung der IHG-Hotels in Deutschland begonnen werden. Ziel sei es, dass jedes Haus mindestens das LEED-1-Zertifikat erhält.
In dem 109-seitigen Green-Engage-Handbuch werden IHG-Partnern detaillierte Vorschriften für den Hotelbau gemacht. So werden zum Beispiel bestimmte zu verwendende Materialien vorgeschrieben. Durch das Programm ließen sich bei nur geringen Mehrkosten beim Neubau die Energiekos-ten eines durchschnittlichen Hotels um 15% bis 25% senken, betont Bowen. Dies bedeute eine Einsparung von 60.000 Euro im Jahr; dadurch steige der Wert der Immobilie um rund 100.000 Euro, rechnet er vor.
Noch deutlich weiter geht die größte spanische Hotelgruppe NH Hoteles, die Mitte 2008 mit einem ambitionierten Umweltprogramm Vorreiter der Branche war. Anvisiert wurde damals eine Reduzierung von Energie- und Wasserverbrauch, CO2-Emissionen und Müllaufkommen um je 20% bis 2012. Im Rahmen des Programms hat NH trotz Wirtschafts- und Hotelkrise 2009 allein in Deutschland 4 Mio. Euro investiert, insbesondere in technische Maßnahmen, durch die beispielsweise die Heiz- und Klimasysteme an die aktuelle Belegung angepasst werden können.
Intelligente Zimmer messen den Energie- und Wasserverbrauch
Aber auch die Sensibilisierung des Personals stellte einen Schwerpunkt dar, damit etwa der Koch bei Dienstantritt morgens um halb fünf nicht aus Bequemlichkeit gleich alle Herdplatten anmacht, obwohl er sie noch gar nicht benötigt, erläutert Deutschlandchef Jan Hein Simons. Durch diese Maßnahmen konnten rund 12% Energieeinsparung erreicht werden. Für dieses Jahr sind nochmals Investitionen auf dem Niveau von 2009 geplant. Das Engagement von NH geht aber über reine Modernisierungsprojekte hinaus. Zusammen mit Siemens stellte NH Ende Februar die Prototypen der neu entwickelten „intelligenten Zimmer“ im NH Eurobuilding in Madrid vor. Die Siemens-Technik ermöglicht eine Echtzeitmessung von Strom-, Wasser- und Energieverbrauch der Gäste.
Dadurch könne NH den Energieverbrauch und den Nutzerkomfort optimieren, etwa indem Beleuchtung, Klimaanlage und Heizung auf den individuellen Bedarf jedes Gastes eingestellt werden. Die Gäste können dann aber auch beim Auschecken darüber informiert werden, ob ihr Energieverbrauch unter- oder überdurchschnittlich war, und so zu einem umweltfreundlicheren Verhalten animiert werden.
Besonders wichtig ist Simons aber, dass die ökologischen Verbesserungen nicht zulasten der Produkt- oder Servicequalität gehen. Dass dies gelungen ist, macht er daran fest, dass sich NH zuletzt in wichtigen Zufriedenheitsrankings verbessert hat. Und auch, dass ökologische Hotels optisch anspruchsvoll sein können, hat NH gezeigt. Das Zimmerkonzept Green Room, das auch im neuen NH Berlin Potsdamer Platz eingesetzt wird und bei dem Nachhaltigkeitsaspekte eine wichtige Rolle spielen, erhielt vergangenen Oktober den European Hotel Design Award für das beste Design eines Standardzimmers.
NH hat Pläne für CO2-neutrales Hotel in Deutschland
Simons will jetzt noch einen Schritt weitergehen: "Wir würden gerne das erste große CO2-neutrale Geschäftshotel errichten." Darin sollen auch die Erkenntnisse der intelligenten Zimmer aus Madrid einfließen. Dass das Thema grüne Hotels der Branche unter den Nägeln brennt, dass es aber auch noch deutliche Probleme bei der Umsetzung gibt, zeigte sich bei der letzten Sitzung des BFW-Arbeitskreises Hotelimmobilien Anfang Februar im Vorzeigeprojekt Kameha Grand in Bonn. So habe es zwar großes Interesse an dem Thema gegeben, aber die Betreibervertreter hätten klar höhere Pachten für nachhaltige Hotels abgelehnt, berichtet Arbeitskreisvorsitzender Andreas Martin von der hotelforum management. Ebenso gab es eine große Skepsis, ob Gäste für nachhaltige Hotels höhere Preise bezahlen.
Dennoch geht Simons davon aus, dass sich die hohen Modernisierungsinvestitionen für NH rechnen. Dabei dürfe man aber nicht nur die eingesparten Energiekosten berücksichtigen, sondern auch die verbesserte Position im Wettbewerb. "Es gibt Gäste, die sagen: ,Je grüner Ihr seid, desto eher buchen wir bei Euch.’" (pm)

