IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 20.08.2009
Europäische Büromärkte
Gutachter malen ein düsteres Bild
Von Erholung oder Bodenbildung kaum eine Spur: Die meisten europäischen Büromärkte werden nach Einschätzung von Fondsgutachtern im zweiten Halbjahr mit Korrekturen bei Preisen und Mieten zu kämpfen haben. Nur in Hamburg, Berlin und Luxemburg blinzelt ab und zu noch die Sonne hinter den Wolken hervor.
Druck auf die Mieten - ja. Ein Einbruch? Nein. Diese Einschätzung teilen zurzeit beinahe alle Maklerhäuser mit Blick auf die künftige Entwicklung an den deutschen
Bürostandorten. Gestützt wird diese Prognose nun von den dem Bundesverband der Immobilien-Investment Sachverständigen (BIIS) angeschlossenen Fondssachverständigen. Sowohl beim Preis- als auch beim Mietniveau schneiden deutsche Standorte im europäischen Vergleich am besten ab. Die Ausnahme bildet Frankfurt. Die dortigen Preise für Bürogebäude werden nach Meinung der Gutachter genauso stark unter Druck geraten wie z.B. in Paris und London. Und auch bei den Mieten sehen die BIIS-Mitglieder deutlichen Korrekturbedarf.
Für die Halbjahresprognose befragte der BIIS im Juni und Juli dieses Jahres 40 europaweit tätige Sachverständigenbüros. Bei den abgegebenen Meinungen handelt es sich jedoch ausschließlich um qualitative Einschätzungen, die zusammengenommen ein Stimmungsbild bzw. einen Trend ergeben. Konkrete Prognosen, wie beispielsweise von Jones Lang LaSalle, die für dieses Jahr einen Mietpreisrückgang bei deutschen Büros von durchschnittlich 5% vorhergesagt haben, gibt es beim BIIS-Trendbarometer nicht.
Hot Spots werden nicht "noch heißer"
Im Vergleich zum Vorjahr haben sich nach BIIS-Erhebung für sämtliche europäischen Metropolen die Einschätzungen bezüglich Mietpreisentwicklung zum Teil erheblich verschlechtert. Am stärksten für Warschau, Stockholm, Paris und Frankfurt. Eine relativ stabile Entwicklung ist im zweiten Halbjahr nur für Hamburg, München, Berlin und Luxemburg zu erwarten. Ganz düster sieht es weiterhin für London und Madrid aus, wobei sich die Erwartungen für diese Hot Spots im Vergleich zur 2008er Prognose nur marginal eingetrübt haben. Auch Martin Braun, Leiter Capital Markets Group von Cushman & Wakefield in Deutschland, sieht die Mieten europäischer Büroimmobilien generell unter Druck. "Die Renditen von Ia-Bürogebäuden werden aber aufgrund steigender Nachfrage von institutionellen Investoren und limitiertem Angebot etwas sinken", glaubt er.
Bei den Preisen ergibt sich laut BIIS-Befragung ein etwas detaillierteres Bild. Die Hot Spots Barcelona und London schneiden demnach deutlich besser ab als noch ein Jahr zuvor. Auch Madrid zählt zu den Gewinnern, bleibt aber unter den europäischen Bürostandorten das Schlusslicht. Am kräftigsten verloren in der Gunst der Fondsbewerter haben im Jahresvergleich die deutschen Metropolen Frankfurt und München, gefolgt von Amsterdam, Oslo und Hamburg. Trotzdem bleiben die Aussichten für Büroimmobilien in der Hansestadt im europäischen Städtevergleich noch am besten. Gemeinsam mit Luxemburg und Berlin erwarten die Gutachter eine stabile Preisentwicklung für Büroimmobilien. (nik)

