IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 16.07.2009
Krisenfolgen für die FM-Dienstleister
Die Industriekunden bereiten große Sorgen
Wenn in einer Werbeagentur oder einem Maklerbüro fünf oder zehn von 50 Mitarbeitern entlassen werden, merkt dies der für den Büroturm zuständige FM-Dienstleister vielleicht gar nicht. Geraten Industriebetriebe ins Trudeln, mit denen die Top 25 der FM-Branche ein gutes Viertel
ihres Umsatzes erwirtschaften, wird’s für manchen Dienstleister ernst.
Wo die Auftragslage desolat ist, gleich ganze Produktionsstraßen stillstehen, Kurzarbeit verordnet wird und die Kantine nahezu leer bleibt, schmelzen auch die Ertragserwartungen der FM-Dienstleister. "Wir kochen für Opel", so lautete die kurze trockene Antwort von Dussmann-Chef Thomas Greiner auf die Frage, wie sich die Krise auf das Geschäft der Berliner auswirke.
Mitgegangen, mitgehangen
Wer mit seinen Dienstleistungen noch viel näher an den Kernprozessen von Indus-triebetrieben dran ist, hat noch weitaus mehr Grund zur Klage. Die Voith Industrial Services konstatieren in der Mitte des am 30. September endenden Geschäftsjahrs 2008/2009 "erhebliche Spuren", die die Krise im Geschäftsbereich Facility Services Europe hinterlasse. Die Auftragslage ist nicht rosig; nahezu alle Märkte und Segmente seien betroffen, natürlich zuvorderst die Automotive-Unternehmen.
Gerade die ambitioniertesten Dienstleis-tungsverträge der jüngeren Vergangenheit – inklusive einer weitreichenden Prozessverantwortung und einer engen Kopplung der Vergütung an die Geschäftsergebnisse des Kunden – können heute Sorge bereiten. Wo die Stückzahlen sich halbieren, reduziert sich auch die Rendite der Dienstleister.
HSG-Zander-Chef Otto Kajetan Weixler konzidiert mittlerweile, dass im Geschäftsfeld Industrie bzw. produzierendes Gewerbe die Erlöse und Erträge der dort tätigen FM-Unternehmen "2009 eher rückläufig" sein werden. "Nachfragerückgang in einzelnen Segmenten – vor allem in der Automobilindustrie" bekommt auch die Wisag-Gruppe zu spüren, wie Holding-Vorsitzender Michael Wisser kürzlich einräumte.
Noch ist nicht abzusehen, wie schnell und wie kräftig die Malaise in der Industrie auch in den Bürotürmen derart durchschlägt, dass für die FM-Dienstleister auch nicht-industrielle Segmente ins Wackeln geraten. Die hauseigenen Umsatz- und Ergebniserwartungen sind jedoch schon jetzt entsprechend zurückhaltend und "vorläufig".
Die, so könnte man sagen, große Hoffnung der FM-Dienstleister liegt in der Zukunft, die schon begonnen hat – und diese hat einen bekannten Namen: Outsourcing. Egal ob Voith-Geschäftsführer Norbert Klapper oder der FM-Spitzenmanager von Wisag, Ralf Hempel, oder von Strabag PFS, Wilfried Schmahl, sie alle setzen auf die sich nach der Krise durchsetzende Ausgliederung einschlägiger Prozesse und Organisationen. Wisser: "Der Trend zum intelligenten Outsourcing ist nicht mehr aufzuhalten." Denn, so Klapper: "Die Industrielandschaft wird sich gravierend verändert haben."
Hoffnungsträger Outsourcing
Schmahl, der wie jüngst bereits RGM-Chef Klaus Lange der Qualitätsarbeit das Wort redet, berichtet von zahlreichen bereits heute eingehenden "Anfragen bezüglich Ausgliederung und Personalübergang". Er sieht Strabag PFS auf die damit verbundendenen Herausforderungen gut vorbereitet, räumt aber ein: "Mit solchen Projekten sind höhere Vorleistungen verbunden." Bei Wisag hält man die Fähigkeit zum flexiblen Agieren für entscheidend – wohl nicht nur angesichts der nachlassenden Zahlungsmoral mancher Kunden.
Noch ist nicht aller Tage Abend, und noch hat die gegenwärtige Krise auch kein bekanntes FM-Unternehmen sichtbar ins Mark getroffen. Otto Kajetan Weixler, der ja auch Vorsitzender des Branchenverbands Gefma ist, kommentiert lapidar: "Probleme bekommen nur die, die eh schlecht gewirtschaftet haben." (ae)

