IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 07.05.2009
Projektentwicklungsmarkt
Developer planen viele Projekte – auch jetzt
Schwarzmalerei ist nicht die Sache der Marktforscher von BulwienGesa. Sie bevorzugen differenzierte Betrachtungen und finden selbst dann Positives, wenn sie in Deutschlands Zentren ein deutlich geschrumpftes Projektentwicklungsvolumen messen. Es gibt schließlich Sektoren, in denen jetzt sogar mehr entwickelt wird als noch vor einem Jahr. So errechneten die Datensammler deutlich mehr Projektvolumen bei Wohnungen (+31%) und Hotels (+22%). Weniger ist es dagegen bei Büros und Handelsflächen.
Im Visier hat BulwienGesa die Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart. Dort summierte sich das Projektierungsvolumen zum Stichtag 31. Dezember 2008 auf 64,9 Mrd. Euro. Das sind 6,5% weniger als Ende 2007, rechnet Vorstandsmitglied Andreas Schulten vor. Gezählt werden gerade fertiggestellte, im Bau befindliche oder nach dem Eindruck der Marktforscher ernsthaft geplante Projekte. Die Immobilien müssen eine Nutzfläche von mindestens 1.000 m2 haben und den Nutzungsarten Büro, Handel, Hotel oder Wohnen zuzuordnen sein. Gebäude für den Eigengebrauch werden nicht berücksichtigt.
Große Pläne in Stuttgart
Dass der Rückgang gegenüber 2007 trotz allenthalben beklagter Finanzierungsschwierigkeiten nicht noch viel stärker ausfällt, hat mit der Methode von BulwienGesa zu tun. Die Forscher zählen auch geplante Projekte mit, die erst 2013 gebaut werden sollen. Bis dahin könnte die Finanzkrise und die daraus folgende Finanzierungsunwilligkeit vieler Banken längst Vergangenheit sein. Mithin hätten auch Projekte, die krisenbedingt verschoben werden müssen, eine Chance, bis 2013 verwirklicht zu sein. Das größte Volumen an geplanten Projektentwicklungen in den sieben Städten schiebt die Vivico vor sich her. Sie will Immobilien mit einer Nutzfläche von 484.000 qm bauen. Das ist fast das Doppelte der Fläche, die das Unternehmen seit 2006 fertiggestellt oder aktuell noch im Bau hat.
Das Projektierungsvolumen in den Zentren Deutschlands beziffert BulwienGesa zum Stichtag 31. Dezember 2008 auf 22,3 Mio. qm. Das sind fast 700.000 qm mehr als ein Jahr zuvor. Der von den Marktforschern diagnostizierte Rückgang in Euro liegt darin begründet, dass das Analysehaus bei den Projekten einen Exit unterstellt, in den erwartete Mietsätze und Kaufpreisfaktoren einfließen. Weil mit fallenden Kaufpreisen gerechnet wird, reduziert sich auch das in Euro ausgedrückte Projektvolumen.
Am meisten wird in Hamburg gebaut – die Hafencity lässt grüßen. An der Elbe sind 4,7 Mio. m2 gerade fertig, im Bau oder geplant. Das sind 12% mehr als Ende 2007. Dahinter folgen Berlin (4,4 Mio. qm; -8%) und München (3,9 Mio. qm; -7%). Misst man nach der BulwienGesa-Methode in Euro, ist Frankfurt der wichtigste Standort für Developer. Das Projektvolumen in der Bankenstadt liegt bei 13,3 Mrd. Euro. Berlin und München folgen mit jeweils 12 Mrd. Euro. Stuttgart ist mit knapp 3 Mrd. Euro unter den Top 7 zwar mit Abstand am mickrigsten, fällt aber mit einem Zuwachs gegenüber 2007 in Höhe von 1,1 Mrd. Euro auf.
Regionale Entwickler dominieren
Woher kommen die Projektentwickler? Die meisten Flächen werden von regionalen Akteuren bearbeitet. Auf sie entfallen 41%. Überregionale kommen auf 37%, und jeder sechste Developer kommt aus dem Ausland. Den Rest ordnet BulwienGesa nicht klar zu.
Für die nächsten Jahre sagt Schulten wieder mehr Interesse internationaler Investoren an deutschen Immobilien voraus. Dabei sieht er eine Gefahr: Die Investoren könnten mehr Geld anlegen wollen, als es Bedarf an neuen Immobilien gibt. Steigende Preise seien deswegen aber nicht zu erwarten. (bb)

