IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE

Immobilien Zeitung vom 05.03.2009

Hafencity Hamburg

Elbtorquartier als Zentrum des Wissens geplant

Die Fertigstellung der westlichen Hafencity Hamburg ist in Sicht. Nach dem Sandtorkai ist nun auch der Dalmannkai – abgesehen von der Elbphilharmonie – komplettiert. Vier weitere Quartiere, darunter das zentrale Überseequartier, sind im Bau. Konkret sind auch schon die Planungen für den "Sprung über den Magdeburger Hafen". Im Elbtorquartier soll mit der HafenCity-Universität, der Greenpeace-Zentrale und dem designxport ein Wissensquartier entstehen. Zudem werden im März Grundstücke für Wohn- und Büroflächen ausgeschrieben.

Wer die Hafencity aus Richtung St. Pauli von Westen betritt, taucht heute in den Alltag eines modernen, urbanen Stadtquartiers an historischen Hafenbecken ein. 1.500 Menschen leben inzwischen an Sandtor- und Dalmannkai in der westlichen Hafencity, 3.000 arbeiten in über 200 hier ansässigen Unternehmen, und Tausende strömen jeden Tag durch den wachsenden Stadtteil, fasziniert vom unmittelbaren Nebeneinander der lebendigen 130-jährigen Speicherstadt und der neuen Stadt.

Wachsende Quartiere

In Bau ist das Quartier Strandkai, wo in diesem Jahr die neue Unilever-Zentrale wie auch die Luxuswohnungen im benachbarten Marco-Polo-Tower bezogen werden. Im Quartier am Sandtorpark/Grasbrook entsteht zurzeit, neben Büro- und wenigen Wohngebäuden, auch die Grundschule der Hafencity. In der nordöstlichen Hafencity liegt das Viertel Brooktorkai mit den Ensemblen des Schiffszertifizierers Germanischer Lloyd und des Spiegel.

Das größte im Bau befindliche Segment ist das Überseequartier, das vom Konsortium Überseequartier Beteiligungsgesellschaft bestehend aus ING Real Estate Germany, Groß & Partner Grundstücksgesellschaft und SNS Property Finance für 1 Mrd.Euro realisiert wird. Das gemischt genutzte Quartier wird künftig auch das Einzelhandelszentrum bilden. Verkauft hat das Konsortium bis dato nur das Sumatrakontor für 140 Mio. Euro an Pramerica. Direkt an der Elbe sind das Kreuzfahrtterminal, zwei Bürotürme nach Entwürfen des gerade in die Insolvenz gegangenen Erick van Egeraat sowie das Science-Center geplant.

Allerdings sind die Finanzierung und der Baubeginn des von Rem Koolhaas entworfenen und von der Stadt Hamburg mitzufinanzierenden Kringels noch unklar. Tatsächlich sind die öffentlichen Repräsentationsprojekte der Hafencity in den letzten beiden Jahren durch Defizite bei Finanzierung und Planung in die Diskussion geraten. So erhöhte sich der städtische Anteil an der Elbphilharmonie von 114 Mio. Euro auf 323 Mio. Euro, während die Eröffnung von 2011 auf 2012 verschoben wurde. Zuzüglich der Skyliving-Wohnungen und des Hotels Arabella Sheraton liegen die Gesamtkosten aktuell bei rund einer halben Milliarde Euro.

Zurzeit in der Diskussion ist die HafenCity-Universität Hamburg (HCU). Auch hier sind den öffentlichen Bauherren die Kosten davongelaufen. Der siegreiche Entwurf der Dresdner Architekten Code Unique Architekten musste im Bereich Energieeffizienz nachgebessert werden und verteuerte sich auch darum von 37 Mio. Euro auf 66 Mio. Euro. Zuletzt wurden gar 73 Mio. Euro genannt. Entgegen den ursprünglichen Absichten wird das Projekt nicht in Public Private Partnership (PPP) realisiert – es fand sich kein Investor –, sondern von der Stadt Hamburg.

HCU im Wissensquartier

Sollte mit dem Bau wie zuletzt bestätigt noch in diesem Jahr begonnen werden, so könnte die HCU ab dem Sommersemester 2012 der Nukleus eines neuen "Wissensquartiers" östlich des Magdeburger Hafens werden.

Zu den 1.500 Studenten und 180 Mitarbeitern der HCU gesellen sich dann die Mitarbeiter von Greenpeace, die sich von DS-Baukonzept eine neue Deutschland-Zentrale bauen lassen, und vom World Wildlife Found (WWF), die in einer alten Verteilerstation von 1907 ein Zentrum für Meeresforschung betreiben. Prägend für das künftige Elbtorquartier wird die Mischung von Bestandsgebäuden und Neubauten sein.

Der signifikanteste Bestandsbau ist der frühere Kaispeicher B, der – beispielhaft für 30 Mio. Euro restauriert – das nicht unumstrittene Internationale Maritime Museum Hamburg des Sammlers Peter Tamm aufnimmt. Das anschließende Lagerhaus hat sich das Logistikunternehmen Heinemann zur Firmenzentrale umbauen lassen. Zum Kreativzentrum soll der designport hamburg werden. Primus Developments möchte 10.000 qm Büroflächen, Wohn- und Arbeitslofts für Kreative errichten und schafft Raum für das öffentliche Design-Zentrum designxport (IZ 49/08). Zudem sind im Elbtorquartier das Stadthaushotel vorgesehen, Hamburg größtes integrative Hotel, in dem etwa 40 Menschen mit Behinderungen arbeiten, sowie das von 17 Kirchen getragene ökumenische Forum Die Brücke.
Noch in diesem Monat ausgeschrieben werden zwei Grundstücke an der Schanghaiallee für Wohn- und Büronutzungen. Ein Grundstück neben dem Designport für 10.000 qm Wohnen und 1.500 qm Ladenfläche wird anhandgegeben. (ff)

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