IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE

Immobilien Zeitung vom 18.12.2008

Frankfurt

Investitionsrekord im Industriepark Höchst

Während allerorten geklagt wird, vermeldet Infraserv einen Investitionsrekord für den Industriepark Höchst. Zudem stellt der Standort­betreiber zwei neue eigene Projekte vor: eine Gasturbinen- und eine Bioerdgas-Aufbereitungsanlage. Auch das Facility-Management für Standorte außerhalb des Industrieparks soll demnächst ausgedehnt werden. Einzig eine Kröte bereitet den Parkbetreibern Probleme.

Im Industriepark Frankfurt-Höchst haben die ca. 90 Standortgesellschaften dieses Jahr einen Investitionsrekord von 602 Mio. Euro aufgestellt. Der bisherige Spitzenwert waren 450 Mio. Euro, die im Jahr 2001 investiert wurden. "Gerade angesichts der verschlechterten konjunkturellen Rahmenbedingungen ein erfreuliches Investitionsniveau", sagt Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vohrmann. Einen Großteil dazu beigetragen haben der noch laufende Neubau einer Produktionsanlage für den Kunststoffhersteller Ticona, ein Logistikzentrum von Infraserv sowie eine 300 Mio. Euro teure Ersatzbrennstoffanlage, die zum Jahresende in Betrieb gehen soll und den Industriepark mit Dampf und Strom versorgen wird. Für das Jahr 2009 erwartet Vohrmann sogar ein noch größeres Investitionsvolumen.

Die Pläne für zwei neue Bauprojekte hat Infraserv gerade vorgestellt. Mit einer 70 Mio. Euro teuren Gasturbinenanlage will man die Abhängigkeit der Energieversorgung des Parks von externen Stromanbietern weiter reduzieren. Die Anlage erzeugt mit zwei Gasturbinen jeweils 45 Megawatt Strom. Über einen Abhitzekessel wird zudem Dampf erzeugt, der wiederum von den bestehenden Dampfturbinen zur Strom­erzeugung verwendet und ins Dampfversorgungsnetz des Parks eingespeist wird.

Gute CO2-Bilanz

Daneben ist den Betreibern eine gute CO2-Bilanz der Anlagen wichtig. Bislang werden jährlich rund 400.000 t CO2 durch die Weiterverwendung von Abwärme und Kraft-Wärme-Kupplungen eingespart. Be­achtlich, wenn man bedenkt, dass im gesamten Rhein-Main-Gebiet jährlich "nur" 1,9 Mio t CO2 ausgestoßen werden. "Die Abwärme der chemischen Produktionen und Verbrennungsanlagen deckt rund 20% des Gesamtwärmebedarfs des Industrieparks", erklärt Infraserv-Geschäftsführer Roland Mohr.

Die Energieerzeugungsanlagen des Parks nutzen die Brennstoffe zu 90%, während herkömmliche Kohlekraftwerke, die nur Strom erzeugen, laut Mohr einen Brennstoffnutzungsgrad von lediglich ca. 40% besitzen. Auch die neue Gasturbinen-Anlage soll im Vergleich zu einem herkömmlichen Konzept 224.000 t CO2 einsparen.

Billiger kommt Infraserv mit rund 5 Mio. Euro die neue Bioerdgas-Aufbereitungsanlage, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Stromversorger Mainova Energiediens­te baut. Diese wird ebenso wie die Gasturbinenanlage 2011 fertig und bereitet das aus organischen Abfällen erzeugte Rohbiogas der Infraserv-Biogasanlage so weit auf, dass es in das öffentliche Erdgas-Netz eingespeist werden kann. Die Anlage kann jährlich 80.000 Megawattstunden Bioerdgas erzeugen, was etwa dem Jahresgasverbrauch von 4.000 Einfamilienhäusern entspricht, und verringert so den Verbrauch des begrenzten Rohstoffs Erdgas.

Über 1 Mrd. Euro Umsatz

Die Infraserv-Höchst-Gruppe ist mit dem Geschäftsjahr 2008 zufrieden und erwartet Umsatzerlöse von 1,057 Mrd. Euro – 17,3% mehr als im Vorjahr. Davon wurden 958 Mio. Euro von der Muttergesellschaft erzielt. Erste Vorboten der angespannten Marktsituation zeigten sich laut Vohrmann allerdings bei der Tochter Infraserv Logistics, bei der leichte Umsatzrückgänge zu verzeichnen waren. In diesem Jahr hatte Infraserv erstmals Facility-Management-Aufträge außerhalb des Industrieparks angenommen. So verwaltet das Unternehmen nun das Frankfurter Innovationszentrum für Biotechnologie an der Altenhöferallee 3 am Riedberg und fünf Gebäude der Lufthansa Cargo am Frankfurter Flughafen (IZ 42/08). "In etwa sechs Wochen werden weitere Aufträge bekannt gegeben", verspricht Mohr.

Ihn beschäftigt im Moment vor allem ein Tier: die Kreuzkröte. Für Maßnahmen zum Schutz der Kröte investiert Infraserv laut Mohr Hunderttausende Euro. Aus Artenschutzgründen darf das Tierchen nicht umgesiedelt werden. "Die dürfen Sie nur anfassen, wenn ein Biologe daneben steht", sagt Mohr. Auch mit Feldhamstern und Hirschkäfern durfte er sich befassen. Dennoch ist der Radeberger-Gruppe der Industriepark nicht grün genug für eine Ansiedlung ihrer Binding-Brauerei. Diesen Ortsvorschlag der Stadt Frankfurt lehnte Radeberger jüngst entrüstet ab (IZ 49/08). (law)

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