IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE

Immobilien Zeitung vom 27.11.2008

Finanzkrise

Warten auf bessere Nachrichten

Die Finanzkrise hat die deutsche Immobilienwirtschaft weiter fest im Griff. Das wurde auch auf dem European Real Estate Forum der Euro Finance Week vergangene Woche in Frankfurt deutlich. "Die Immobilienunternehmen werden zurzeit von beiden Seiten in die Zange genommen", sagte ZIA-Präsident Eckart John von Freyend. Ernst­hafte Prognosen traut sich angesichts der Liquiditätskrise der Banken derzeit niemand mehr zu. Einzig Barbara Knoflach, Chefin der SEB Asset Management, verstrahlte nahezu uneingeschränkten Optimismus unter den Referenten.

Die Sorgenfalten, die die wirtschaftliche Entwicklung dem Präsidenten des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA) auf die Stirn trieben, waren nicht zu übersehen. Schließlich sieht John von Freyend auch ohne Finanzkrise und deren Auswirkungen schon genug Probleme für deutsche Immobilienunternehmen. Die Gesetzgebung sei investorenunfreundlich. Nachbesserungen sind sowohl bei der Erbschaftsteuer als auch dem Reit-Gesetz und der Zinsschranke notwendig, sagte der Schirmherr des European Real Estate Forums in seiner Eröffnungsrede. "Nur so kann der deutsche Markt wieder zu einem sicheren Hafen auch für internationale Anleger werden."

Das ist er aus der Sicht von Barbara Knoflach, CEO der SEB Asset Management, be­reits heute. Die Reaktionen auf die Krise an den Finanz- und Kapitalmärkten seien "normal". Im Prime-Segment habe es keinen Einbruch gegeben, betonte Knoflach. Entsprechend hat die SEB den Deutschlandanteil im Anlageportfolio in den letzten Quartalen auf 45% gesteigert. "Wir werden Deutschland künftig eher überallokieren, als hier Vermögenswerte abbauen", sagte Knoflach.

"Rückkehr zur guten alten Sachanlage"

In Deutschland erwartet sie eine Rückbesinnung der Investoren auf die zugrunde liegenden Fundamentaldaten und eine "Rück­kehr zur guten alten Sachanlage". Entsprechend zählt sie die offenen Immobilienfonds zu den Gewinnern der Krise. Sie böten den Anlegern neben der täglichen Verfügbarkeit eine attraktive Rendite bei geringen Wertschwankungen. "Das magische Dreieck Rendite-Liquidität-Volatilität wird in das Gedächtnis der Inves­toren zurück­kommen", ist sich Knoflach sicher.
Eine etwas andere Meinung vertritt hingegen Christian Ulbrich, designierter EMEA-Chef von Jones Lang LaSalle. "In Immobilien gebundenes Kapital ist derzeit ziemlich illiquide. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mein Geld dort nicht hineinstecken", bemerkte Ulbrich kritisch.

In den nächsten beiden Jahren erwartet er Preisrückgänge auf dem deutschen Immobilienmarkt. Deshalb werde es in Ländern, in denen die Finanzkrise bereits zu deutlichen Preisabschlägen geführt hat, attraktivere Kaufgelegenheiten für Immobilieninvestoren geben als hierzulande. Diese These unterstützt auch Professor Simon Martin von der britischen Universität Henley. Obgleich Deutschland einen der defensivs­ten Charaktere unter den eruropäischen Immobilienmärkten aufweise, gebe es in anderen Märkten durchaus günstigere Einstiegschancen für Investoren, so Martin.

Damit der Immobilienmarkt wieder in Schwung kommt, müssten die Banken ihre Einschränkungen bei der Kreditvergabe lo­ckern. "Die entscheidende Frage ist, wann die Liquidität zurückkommt", bringt es Knoflach auf den Punkt.

Dafür ist eine Belebung des Pfandbriefmarkts als wichtige Refinanzierungsquelle für die Kreditinstitute zwingend erforderlich. Das ist nach Ansicht von Louis Hagen, Geschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken, jedoch frühes­tens zur Mitte des nächsten Jahres zu erwarten.

Für Karsten von Köller, Deutschlandchef des US-Finanzinvestors Lone Star, kommt es nun vor allem darauf an, dass das staatliche Rettungsprogramm endlich auf breiter Front von den Banken in Anspruch genommen wird. Nur so kann das Vertrauen wiederkehren, sagte er der Immobilien Zeitung.

So gesehen haben Frank Pörschke und seine Eurohypo ihre Pflicht erfüllt. Schließlich ist der Mutterkonzern Commerzbank eines der ersten Institute, die angekündigt haben, das Rettungspaket nutzen zu wollen. Jetzt heißt es also abwarten – auf bessere Nachrichten: "Ich warte seit acht bis zehn Wochen darauf, dass die Serie von schlechten Nachrichten unterbrochen wird. Wenn dieser Fall eintritt, könnte es wieder aufwärts gehen", glaubt Pörschke. (nik)

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