IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 20.11.2008
Neuhafen Münster
"Westfälisches Venedig" mit maritimem E-Center
Im Hafen von Münster soll der "Neuhafen Münster" entstehen. Die lokalen Entwickler und Investoren Rainer M. Kresing und Andreas Deilmann planen, zwischen künstlichen Kanälen bis zu 640 Wohnungen für arme und reiche Münsteraner zu bauen. Hemmschuh der Entwicklung ist ein gegenüberliegendes Gefahrgutlager. Direkt nebenan wollen die Unternehmer Max und Lutz Stroetmann zudem ein Fachmarktzentrum mit 8.000 qm Verkaufsfläche bauen.
Auf dem 45.000 qm großen, bis 2002 vom Osmo Farbenhandel genutzten Areal im Stadthafen Münster soll ein modernes Wohnquartier entstehen. Mit einem unbestätigten Investitionsvolumen von 180 Mio. Euro sollen entlang der Hafenkante vier- bis neungeschossige Wohnhäuser entstehen. Eingefasst wird das Quartier nach den Vorstellungen der Entwickler im Süden von einem zwölfgeschossigen Wohnhochhaus und im Norden vom historischen Spänebunker. Letzterer soll das Hafenambiente retten und als Kommunikations-, Kreativ- oder Veranstaltungsplatz umgenutzt werden.
In den Ende Oktober vorgestellten Entwürfen sind Häuser zu sehen, deren obere Geschosse über den Uferweg aufs Wasser hinausragen — ähnlich den Kranhäusern im Kölner Rheinauhafen oder den Gebäuden am Sandtorkai in der Hamburger Hafencity. Vier über 20 m breite Kanäle sollen für zusätzliche Wasserflächen und Hafenambiente sorgen. Darunter ist eine Tiefgarage vorgesehen. Die Rede ist vom "Mythos Hafen" und von einem "Hauch von westfälischem Venedig".
Sozialwohnungen für Arme, Lofts für Reiche
Marco Piehl von Kresing Architekten erklärt, es werde Sozialwohnungen wie auch zweigeschossige Lofts für Besserverdienende geben. Auf den Sozialwohnungen hatte die Stadt Münster bestanden. Nicht ganz klar ist, wie viele Wohnungen es insgesamt werden. 380 bis 430 sind in der Presseerklärung vermerkt, Deilmann sprach von 640 Wohneinheiten. Die Zahl der Wohnungen hängt auch von der Anzahl der zugelassenen Geschosse im Neuhafen Münster ab.
Während sich die Mitglieder des Planungsausschusses grundsätzlich positiv zum Projekt insgesamt äußerten, gab es Vorbehalte zu Themen wie "Dichte", "Höhenunterschiede" und "Verkehrsbelastung des Hafenviertels". Ein zentraler Unsicherheitsfaktor ist allerdings das Gefahrgutlager Lehnkering am gegenüberliegenden Ufer. Es hat einen Pachtvertrag mit den Stadtwerken bis 2015 und damit verbunden das Manko, dass im Umkreis von 300 m keine Wohnbauten entstehen dürfen.
"Wir hoffen, dass das Gefahrgutlager vorher geräumt wird", so Piehl.
Ohnehin werde man mit dem ersten Bauabschnitt an der entfernten Schillerstraße starten. Bis 2011 sollen hier die ersten Bauten begonnen werden. Wenn das Gefahrgutlager seinen Pachtvertrag ausschöpfe, könne das Gesamtprojekt frühestens 2016 fertiggestellt werden.
Um die Finanzierung macht sich Deilmann keine Sorgen. Er denkt an 20% bis 40% Eigenkapital und eventuell an die örtliche Volksbank und Sparkasse. Doch zunächst geht es um den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan. Den erwartet Deilmann bis Ende 2008.
Ein Einkaufsparadies mit maritimem Flair
Nach dem Neuhafen Münster wurde im Planungsausschuss das geplante Fachmarktzentrum auf dem 20.000 qm großen früheren Postgelände vorgestellt. Stroetmann Grundbesitz möchte ein "innerstädtisches Einkaufsparadies mit maritimem Flair" errichten. Dazu gehören ein Edeka-Frischemarkt mit 3.000 qm Verkaufsfläche — mit Frischfischabteilung, "um die Hafennähe erlebbar zu machen" —, ein Lebensmitteldiscounter, ein Textil- und ein Drogeriemarkt.
Erste Hafenflächen waren mit dem benachbarten "Kreativkai" bereits seit 1996 umgenutzt worden. Hier finden sich heute Verlage, Werbeagenturen und Gastronomiebetriebe. Vertreten sind hier unter anderem die Stadtwerke mit ihrem Hauptsitz, der Coppenrath-Verlag, der Hot Jazz Club, die Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst Münster und das Wolfgang Borchert Theater. Angesiedelt ist hier auch Münsters größtes Kino, das Cineplex, das in Münster auch seine Deutschland-Zentrale unterhält. Gar nicht weit entfernt liegt die Halle Münsterland. (ff)

