IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 06.11.2008
Berlin-Mitte
Ein goldenes Haus in rabenschwarzen Zeiten
Luxus für Puristen – vielleicht lässt sich die Wohnidee des Berliner Architektenduos btob so am besten erklären. Schon im nächsten Frühjahr soll das Lofthaus auf dem ehemaligen Mauerstreifen wachsen. Vorher jedoch muss jemand gefunden werden, der das gute Stück bauen will.
Lange Zeit und immer wieder hat der Berliner Architekt Alexander Thomass mit seinen Studenten an der Universität Kassel über urbanes Leben in der Stadt und individuelle Wohnformen jenseits typischer Eigenheime im Grünen nachgedacht. Ideen über Ideen entwickelten die angehenden Baumeister mit ihrem Lehrer – und immer für den Papierkorb. Das wollten Thomass und sein Kollege Henning König, der den zweiten Sitz von btop Architekten in Basel betreut, nicht länger hinnehmen. Darum gossen sie die Früchte ihrer Arbeit jetzt in ein – hoffentlich – marktfähiges Produkt.
So entstand ein Haus mit nur vier Eigentumswohnungen. Die Heime sind im Schnitt 250 qm groß und erstrecken sich über jeweils drei Etagen. Möglich ist, alle Stockwerke in einem zu nutzen; Treppen im Inneren verbinden die Räume. Gleichzeitig aber erlauben die Grundrisse, eine Etage zum Arbeiten zu nutzen, eine zum Wohnen und die dritte als Einliegerwohnung zu vermieten. "Wir sind ausgesprochen flexibel", erklärt Thomass sein Konzept.
Das Erdgeschoss, die üblicherweise unattraktivste Wohnungsebene, wird frei gelassen. Damit wird der Eingang imposanter, außerdem können die Hausbewohner dort ihre Autos abstellen. Von den Stellplätzen führt entweder ein von oben belichtetes Treppenhaus oder ein Aufzug hinauf. Statt in einen gemeinschaftlichen Hausflur fährt der Fahrstuhl direkt in die Wohnung.
Architekturbegeisterte Puristen
Raumhohe Verglasungen, vorgelagerte Loggien auf der Nord- und Südseite, eine teils private, teils allen Bewohnern zugängliche Gartenanlage, gerne mit Pool, wenn die neuen Eigner dies wünschen, sehen die Pläne außerdem vor. Küche und Bad können als separate Räume gestaltet oder aber offen in den Raum integriert werden.
Anbeißen sollen architekturbegeisterte Puristen, die ein klares Raumgefühl, dabei aber Flexibilität und das Besondere suchen. Die Räume sind allesamt 2,70 m hoch, die Dachterrasse befindet sich in einer Höhe von 22 m über Berlin. Von außen wird das Luxus-Lofthaus mit perforiertem Stahlblech ("Tecu Gold") verkleidet. Das Sonnenlicht soll die Metallverblendung in goldenem Licht erstrahlen lassen.
Das heute verwilderte, 515 qm große Grundstück liegt im angesagten Quartier Mitte auf einem noch unbebauten Stück des ehemaligen Mauerstreifens. Auf der nahe gelegenen Chausseestraße tobt der Verkehr, in der ruhigen Boyenstraße ist davon wenig zu spüren. Alexander Thomass und Henning König glauben, dass in Anbetracht der rasanten Entwicklung des Quartiers der Marktwert der Immobilien bald über dem heute kalkulierten Preis liegen wird. Von 3,5 Mio. Euro Investitionssumme (einschließlich Grundstück) gehen die beiden aus. Für 3.500 Euro/qm sollen die Unterkünfte den Besitzer wechseln.
Premiuminvestor gesucht
Nachdem Thomass und König ihre Ideen vom Wohnungsbau in der Stadt glücklich zu Papier gebracht hatten, galt es, das gute Stück zu vermarkten. Im ersten Schritt haben die beiden das in eigener Regie versucht. Doch ohne Erfolg. "Unsere Kernkompetenz liegt nun einmal nicht in der Makelei", sagt Thomass selbstironisch. Plan B sieht darum vor, einen "Premiuminvestor" zu gewinnen, der das "Rundumsorglos-Paket" getaufte Projekt der Architekten kaufen möchte. Gezielt das Gespräch gesucht haben die beiden bisher mit eher kleineren Projektentwicklern, "die einen Blick für das Besondere" haben. Auch an ein paar Privatleute gingen Anfragen heraus. Große Unternehmen, die nur in Quadratmetern denken, seien weniger geeignet.
Wehren müssen sich die beiden seit Bekanntwerden ihrer Pläne gegen Avancen der hauptstädtischen Immobilienmakler. Mit dem Versprechen, das goldene Haus zu Geld zu machen, rennen die ihnen die Bude ein. Doch deren Hilfe wollen die beiden vorerst nicht. "An jedem Makler bleiben doch Provisionen hängen." (gg)

