IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 07.08.2008
Frankfurt
Abriss des Technischen Rathauses im kommenden Jahr
Bald gehört das Technische Rathaus in Frankfurt nur noch der Vergangenheit an. Im kommenden Sommer sollen die Abrissarbeiten beginnen, um Platz für eine Altstadtrekonstruktion zu schaffen. Das Projekt stellt im Haushaltsentwurf 2009 einen beachtlichen Posten dar. Am meisten Geld soll nach dem Wunsch des Planungsdezernats im kommenden Jahr aber in den Wohnungsbau fließen.
Rund 15 Mio. Euro möchte die Stadt Frankfurt bis 2012 in die Baureifmachung des Areals des Technischen Rathauses am Frankfurter Römerberg stecken. Schon im kommenden Sommer werden die dort beheimateten Behörden das Gebäude verlassen, um in den ehemaligen Sitz der Mainova an der Kurt-Schumacher-Straße zu ziehen, in dem auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt und die Stadtwerke Büros unterhalten. Damit dort genügend Platz zur Verfügung steht, werden die alten Gebäude aufgestockt und modernisiert.
Abriss im kommenden Jahr
Gleich nach dem Auszug soll der Abriss des 1972 erbauten Technischen Rathauses beginnen. Dieses Ziel verfolgt Planungsdezernent Edwin Schwarz schon seit dem Jahr 2000. "Ein wunderschönes Gebäude, das leider am falschen Platz steht", so das wohl nicht ganz ernst gemeinte Statement des Stadtrats. Nachdem die Pläne, das Rathaus-Areal als Hotelstandort zu nutzen oder das Rathaus zur Kostensenkung einer Wohnnutzung zuzuführen, verworfen worden waren, schrieb die Stadt einen Ideenwettbewerb aus. Nach dessen Ergebnissen sollen nun sieben ehemalige Häuser des Römerbergs rekonstruiert werden. Dabei will man auch die Tiefgarage umbauen und den östlichen U-Bahn-Eingang verlegen, um eine Absenkung des kaiserlichen Krönungswegs vom Dom zum Römer auf seine historische Höhe zu ermöglichen. Gleichzeitig ist eine Überdachung des archäologischen Gartens angedacht. Insgesamt schätzt das Planungsdezernat die Kosten auf rund 75 Mio. Euro und erwartet eine Fertigstellung bis 2013.
Dass das Projekt wegen der derzeit steigenden Materialkosten den Rahmen sprengt und deshalb nicht umsetzbar ist, befürchtet Schwarz nicht. "Auf dem Römerberg soll ja kein großer Stahlbau entstehen, sondern eher kleinteilig gebaut werden." Außerdem fließe viel Geld über Erbbaurechte wieder zurück in die städtische Kasse.
Mehr Kopfzerbrechen bereitet der Stadt, wie die Auftragsvergabe laufen soll. Schwarz wäre es am liebsten, wenn der Auftrag ausschreibungsfrei an die städtische Projektentwicklungsgesellschaft Frankfurter Aufbau AG (FAAG) übergeben werden könnte. Der Dezernent ist sich aber der Problematik der Wende in der Vergaberechtsprechung nach der Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf bewusst. Demnach muss bei einer Veräußerung öffentlicher Grundstücke, an die ein bestimmtes städtebauliches Vorgehen geknüpft ist, eine europaweite Ausschreibung erfolgen. Die Stadt hat deshalb ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Schwarz erwartet bis Ende des Monats eine Entscheidung in der Sache.
Wohnungsbau größter Etatposten
Größter Posten im Finanzbedarf des Planungsdezernats von insgesamt 41,8 Mio. Euro für 2009 (Vorjahr: 53,8 Mio. Euro) ist der Wohnungsbau mit rund 20,5 Mio. Euro. Darunter fallen unter anderem die Mittelschichtsprogramme für familien- und seniorengerechten Mietwohnungsbau und selbst genutztes Wohneigentum. Für Mietwohnungen gibt es dabei Darlehen von bis zu 950 Euro/qm, für Wohneigentum bis zu 47.500 Euro pro Wohneinheit. Die ersten fünf Jahre sind dabei tilgungsfrei, dann wird der Satz langsam angehoben.
Eine halbe Mio. Euro fließt in das Bahnhofsviertel, weiteres Geld in Soziale-Stadt-Programme im Gallusviertel (1,77 Mio. Euro) und in Unterliederbach (1,57 Mio. Euro). Zu den im Haushaltsentwurf vorgesehenen Mitteln gesellen sich erhebliche Restmittel, die in den Vorjahren nicht abgerufen wurden. "Wir können nur ausgeben, was der Markt aufnimmt", sagt Schwarz, der sich des Öfteren dem Vorwurf ausgesetzt sieht, das Geld zu horten. So können innerhalb der kommenden fünf Jahre mehr als 75 Mio. Euro als Darlehen vergeben werden.
Zusätzlich wird an einem Wohnraumversorgungskonzept gearbeitet. "Bis 2020 reicht der Wohnraum für das wachsende Frankfurt noch aus", sagt Schwarz. In der Zwischenzeit sei aber die demografische Entwicklung zu beachten. Neben Riedberg, Preungesheim-Ost und Bonames werden auch auf dem ehemaligen Henninger-Areal in Sachsenhausen Wohnflächen entstehen.
Suche nach Areal für Radeberger
Da die Radeberger-Gruppe wegen der nahenden Wohnbebauung ihre Gewerbeflächen in Sachsenhausen vermutlich räumt, werden die dortigen Wohnbebauungspläne voraussichtlich noch ausgedehnt. Die Stadt steht nun vor dem Problem, eine geeignete Fläche für die Brauerei an anderer Stelle zu finden, denn die Radeberger-Gruppe benötigt zur Lagerung ihrer Bier-Mix-Getränke erheblich mehr Platz als bisher: rund 15 ha.
Einen großen Anteil der Mittel des Jahres 2009 verschlingt mit 16,35 Mio. Euro das Programm Schöneres Frankfurt, das sich insbesondere der Umgestaltung der Hauptwache widmet (2009: 2 Mio. Euro; insgesamt 17 Mio. Euro). "Es ist sinnvoller, die Hauptwache der Konstablerwache zeitlich vorzuziehen." (law)

