IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE

Immobilien Zeitung vom 24.07.2008

Investmentmarkt Europa

Umsatzeinbruch um 50%

Bei Europas Investoren herrscht verhaltene bis trübe Stimmung. Besonders Großbritannien ist von der Finanzkrise gebeutelt. Deutsche Investoren sind noch verhältnismäßig zuversichtlich. Der Transaktionsmarkt ist dennoch eingebrochen.

Für das erste Halbjahr 2008 bilanzieren die Makler von CB Richard Ellis in Europa einen Investmentumsatz von 63,4 Mrd. Euro und damit die Hälfte des Vorjahresergebnisses. Der massivste Einbruch fand mit -62% in Großbritannien statt (16,2 Mrd. nach 43 Mrd. Euro) sowie in Deutschland (12,1 Mrd. nach 27,1 Mrd. Euro) und Frankreich (7 Mrd. nach 13,7 Mrd. Euro). In Benelux (5 Mrd. Euro) lag das Minus bei 46%.
Am stabilsten zeigten sich die Märkte in Osteuropa - hier sank der Umsatz nur um 21% auf 5,2 Mrd. Euro - sowie die Mittelmeerländer Italien, Portugal und Spanien (-21% auf 8,4 Mrd. Euro). In Skandinavien fiel das Ergebnis um ein Viertel niedriger als im Vorjahr aus und erreichte einen Wert von 8,1 Mrd. Euro. Dass es im laufenden Jahr nicht zu mehr Deals kam, führen die Makler vor allem in den fundamental stabilen Märkten Deutschland und Frankreich auf die anhaltende Unsicherheit über die Marktpreise zurück. Da es noch nicht zu vielen Notverkäufen gekommen sei, ließen sich die Erwartungen von Käufern und Verkäufern weiterhin nicht vereinbaren. Außerdem wirkten sich Engpässe bei den Finanzierungen, die Ausicht auf eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung und die generell unsichere Stimmung der Investoren bremsend auf das Geschehen aus.
Die trübe Lage am britischen Investmentmarkt spiegelt sich auch in der Stimmung der Großinvestoren wider, denen die Union Investment Real Estate (UIRE) in ihrem Investitionsklima-Index halbjährlich auf den Zahn fühlt. In der diesjährigen Frühjahrsumfrage gaben sich die britischen Profis wesentlich pessimistischer als ihre deutschen und französischen Kollegen. Ihr Stimmungswert erreichte 60,6 von 100 Punkten - erst ab 75 wird die Lage als "günstig" eingeschätzt. In Deutschland wurde ein Wert von 68 erreicht, in Frankreich von 66. Seit Herbst 2007 war die Stimmung auf der Insel um fünf Punkte abgerutscht, auf dem Kontinent um drei.

Investitionsklima eingetrübt

Spürbare Unterschiede gab es bei den Investitionsplänen. Immerhin 43% der Deutschen wollen ihre Investitionen erhöhen, nur 8% reduzieren. Anders die Lage bei den Briten. Hier treten 24% auf die Investitionsbremse, in Frankreich sind es sogar 45%. Für UIRE-Vorstandssprecher Reinhard Kutscher ist es die konjunkturelle Stabilität Deutschlands, die einen allzu starken Stimmungsumschwung bislang verhinderte: "Das nächste halbe Jahr wird zeigen, ob wir es im Frühjahr 2008 mit Zweckoptimismus oder Realitätssinn zu tun hatten."
Die Einschätzungen der Investoren werden von einer aktuellen Prognose des Rreef Research gestützt. Dieses sieht für den Londoner Büromarkt schwere Zeiten anbrechen. In London City müsse man bis 2010 mit sinkenden Neuvertragsmieten rechnen, für das West End mit stagnierenden (2009: fallenden) Niveaus. Gleiches gelte für Dublin und Madrid, wo ähnlich wie in London eine Kombination von Flächenüberangebot und abgeschwächter Nachfrage für einen Rutsch bei den Mietpreisen sorgen werde.

Guten Aussichten für Frankfurt

Überraschend positiv fällt die Prognose der Rreef-Researcher für Frankfurt aus. Die Stadt sei von der Finanzkrise bislang relativ unbeschadet geblieben und profitiere im Zentrum von anhaltend starkem Flächenbedarf verbunden mit einer limitierten Angebotspipeline. Im laufenden und im kommenden Jahr seien daher nochmals Mietsteigerungen drin. Auch für München und Hamburg sowie für Paris sieht Rreef für 2008 nochmals ein Plus von 2% bei den Büromieten, bevor die Märkte in den Folgejahren in die Stagnationsphase eintreten. Für Berlin wird im gesamten Prognosezeitraum bis 2012 keinerlei Bewegung der Büromieten erwartet.
Die besten Aussichten unter allen untersuchten Bürostandorten Europas haben Rreef zufolge die Hauptstädte Bukarest und Stockholm: Hier sollen die Mieten in den nächsten vier Jahren kontinuierlich anziehen. Moskau, aktuell Europas Boomtown Nr. 1, kann da nicht mithalten: Steigende Leerstandsraten sollen hier ab 2010 den Mietanstieg zum Stillstand bringen. (mol)

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