IMMOBILIEN ZEITUNG – AKTUELLE AUSGABE
Immobilien Zeitung vom 15.05.2008
Düsseldorf
Die deutsche Büromakler-Hochburg
Unter den fünf deutschen Immobilienhochburgen ist Düsseldorf wohl die kleinste. Die Büroflächenumsätze bewegten sich in den vergangenen Jahren zwischen 250.000 qm (2004) und dem Rekordergebnis von gut 400.000 qm 2007. Obwohl der Markt also überschaubar ist, gibt es in Düsseldorf so viele Büromakler wie in keiner anderen deutschen Stadt - und es werden immer mehr.
Dem Düsseldorfer Büroflächenmarkt ging es im vergangenen Jahr so gut wie nie zuvor. Zumindest im ersten Halbjahr sprengten die Investmentumsätze alles bisher Dagewesene. Und der Vermietungsmarkt konnte am Jahresende mit einem fetten Rekord abschließen. Ein Markt also, so möchte man meinen, auf dem den Maklern sprichwörtlich die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.
Doch 2007 war alles andere als exemplarisch für den Düsseldorfer Büromarkt. Die Jahre zuvor waren vielmehr von grassierendem Leerstand und eher geringen Umsätzen gezeichnet. Dennoch scheint die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt genug Potenzial zu haben, eine wahre Heerschar an Büromaklern zu ernähren.
20 Maklerunternehmen buhlen um den Büromarkt
Eine Untersuchung für die Immobilien Zeitung hat ergeben, dass sich aktuell 20 Maklerunternehmen in Düsseldorf tummeln. Dies sind reine Büromakler bzw. auf Büros spezialisierte Töchter von Maklerunternehmen, also keine Immobilienvermittler, die sowohl Gewerbe- als auch Wohnimmobilien im Angebot haben. Anfang Juli dürfte diese Zahl auf 21 steigen. Dann, so hört man, will auch das britische Maklerunternehmen Savills (Werbespruch: "Weltweit führende Immobilienberatung") in der Landeshauptstadt eine Niederlassung eröffnen.
Wie kommt es also, so fragt man sich, dass ausgerechnet Düsseldorf so attraktiv für die Maklerschaft ist? Die Antwort auf diese Frage ist vielfältig und findet sich in der Geschichte der deutschen Immobilienwirtschaft.
Bereits vor knapp 100 Jahren, am 1. April 1910, gründete Leo Aengevelt, Großvater der heutigen Unternehmensleiter Lutz und Wulff Aengevelt, eines der ersten deutschen Maklerunternehmen in Düsseldorf. Damit kann die Stadt Düsseldorf wohl als Geburtsstätte der professionellen deutschen Immobilienvermittlung gelten.
Einige Dekaden später, in den fünfziger Jahren, entstanden weitere Maklergesellschaften in Düsseldorf. Die Nummer zwei in der rheinischen Maklerhistorie war ein Dr. Oelschläger, dessen eine Tochter einen Dieter Negwer heiratete und mit ihm zusammen das Unternehmen Dr. Oelschläger Nachfolger Immobilien gründete, das heute unter Oelschläger Immobilien firmiert.
Eine weitere Tochter von Oelschläger heiratete Karl-Heinrich Müller, der der Namensgeber von Industrie Immobilien Müller wurde, die im Zuge der Tertialisierung der Wirtschaft zu Müller International umfirmierten und heute Atisreal heißen. Müller war im Übrigen der erste, der sich in Düsseldorf ausschließlich mit der Vermarktung von Büroimmobilien beschäftigte. Später zog sich der Gründer des Unternehmens aus dem Geschäft zurück und beschäftigte sich mit einer Kunststiftung auf der Insel Hombroich (www.inselhombroich.de). Karl-Heinrich Müller verstarb im vergangenen November.
Die achtziger Jahre standen im Zeichen der Professionalisierung
Spätestens in den achtziger Jahren begannen sich auch internationale Maklerunternehmen in Düsseldorf zu engagieren. Allen voran das britische Unternehmen Jones Lang Wootton - heute Jones Lang LaSalle.
Renate Kölbel war sozusagen die Frau der ersten Stunde bei Jones Lang Wootton, bis sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Ignaz Trombello im Jahr 1999 ihr eigenes Unternehmen Colliers Trombello Kölbel Immobilienconsulting gründete.
Bereits acht Jahre zuvor, 1990, trennten sich diverse Düsseldorfer Mitarbeiter von Müller International von ihrem Arbeitgeber, als das Unternehmen von der Commerzbank übernommen wurde. Sie gründeten dann das Maklerunternehmen Eureal. Dieses wiederum wurde im vergangenen Jahr mit Catella zusammengeschlossen. Mehrere ehemalige Eureal-Mitarbeiter machten sich daraufhin selbstständig und gründeten das Maklerunternehmen GermanInvest.
Betrachtet man sich also die Geschichte der Düsseldorfer Maklerunternehmen, so stellt sich schnell heraus, dass es sich dabei im Wesentlichen um die Geschichte der Düsseldorfer Makler handelt. Viele der heute am Markt aktiven Unternehmen entstanden durch die Ausgründung ehemaliger Mitarbeiter eines Unternehmens.
Die beiden letzten Beispiele hierfür sind die Anteon, in der sich ehemalige Aengevelt-Mitarbeiter zusammengetan haben, oder die White GmbH, die unter anderem vom ehemaligen Atisreal-Düsseldorf-Chef Bernd-Uwe Willer mit anderen Maklern gegründet wurde. Allerdings gibt es Gerüchte, wonach die White-Truppe wiederum ab Juli die neue Savills-Mannschaft bilden soll.
Der Markt teilt sich in wenige große Kuchenstücke auf
Was bedeutet diese Maklervielfalt nun für den Büromarkt? Nicht gar so viel, lautet die vielleicht ernüchternde Antwort. Untersucht man die Marktanteile der einzelnen Player, so stellt man schnell fest, dass die alteingesessenen Unternehmen die wirklich großen Stücke des Umsatzkuchens unter sich aufteilen.
Im vergangenen Jahr schnitt Colliers Trombello Kölbel mit einem Anteil von 34% am durch Makler vermittelten Büroflächenumsatz (100%) am besten ab, gefolgt von Aengevelt mit 19%, die 30.000 qm an den Mobilfunk-Anbieter E-Plus im Quartier n vermitteln konnten. Catella sicherte sich 11% des Maklerumsatzes, AtisReal und Jones Lang LaSalle waren mit jeweils 8% beteiligt. Die verbleibenden 20% verteilten sich auf die restlichen 15 Maklerunternehmen in der Stadt. Davon sicherten sich vier Unternehmen immerhin einen Anteil über 1%, die übrigen elf lagen darunter. (thk)

